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Geschäftsmodelle: Lizenzen, Rechte und Geld

Durch das medizinische Internet der Dinge werden softwarezentrierte Geschäftsmodelle zunehmend attraktiver. Mit professionellen Lizenz- und Berechtigungsmanagementlösungen fällt es Medizingeräteherstellern leichter, diese Transformation hin zur softwarebasierten Monetarisierung zu meistern.

Softwarebasierte Geschäftsmodelle bieten je nach Nutzungsgrad des Medical-IoT ganz neue Monetarisierungsmodelle. Bildquelle: © Gemalto

Softwarebasierte Geschäftsmodelle bieten je nach Nutzungsgrad des Medical-IoT ganz neue Monetarisierungsmodelle.

Das Gesundheitswesen steht in den nächsten Jahrzehnten vor einer großen Herausforderung: Zunehmend weniger Ressourcen müssen zunehmend effizienter genutzt werden. Hierzu gibt es diverse Stellhebel. Ganz essentielle sind die Software und die Vernetzung, denn die Erfassung und der Austausch von Informationen bietet erhebliches Optimierungspotenzial in Krankenhaus, Rehazentrum und häuslicher Pflege.

Übermitteln Geräte am Krankenbett die wichtigsten Informationen automatisch an das diensthabende Personal oder an die elektronische Krankenakte, lassen sich Arbeitsabläufe und Dokumentationen besser organisieren. Für den intensiveren Ausbau von Homecare-Lösungen ist die Vernetzung sowieso ein Muss. Letztlich ist auch der Fitness-Tracker mit seiner Handy-App ein Paradebeispiel für die zunehmende Bedeutung von Software und vernetzten Applikationen im Gesundheitswesen, denn die Apps leisten deutlich mehr, als die reine Erfassung und Dokumentation von Blutdruck, Herzfrequenzen oder Schritten. Sie sind Personal Trainer für ihre Nutzer und unterstützen so auch das zunehmende Gesundheitsbewusstsein.

Monetarisierung von Software

Neben der Bandbreite bestimmt die Software das Lösungsangebot von IoT-angebundenen Applikationen. Ihre Nutzung sollte auf jedem Level über Lizenzen geschützt und monetarisiert werden. Bildquelle: © Gemalto

Neben der Bandbreite bestimmt die Software das Lösungsangebot von IoT-angebundenen Applikationen. Ihre Nutzung sollte auf jedem Level über Lizenzen geschützt und monetarisiert werden.

Die Software-Entwicklung nimmt deshalb bei vielen Medizingeräteherstellern einen zunehmend wichtigen Stellenwert ein. Das ist keine neue Erkenntnis, denn schon lange wird vielfach deutlich mehr in die Software-Entwicklung investiert als in die Hardware-Entwicklung. Mit den neuen Medical-IoT-Apps wird dieser Entwicklungsaufwand jedoch noch deutlich größer, zumal auch Sicherheitsaspekte wie Manipulations- und IP-Schutz wichtig werden.

Historisch ist Software jedoch noch oft eine Dreingabe für die Hardware. Gerätehersteller müssen deshalb anfangen, wie Softwarehersteller und App-Anbieter zu denken, denn sie können signifikant von den Möglichkeiten softwarebasierter Geschäftsmodelle profitieren. Diese sind durch die Möglichkeiten der bandbreitenstarken Vernetzung heute auch deutlich vielfältiger geworden als noch vor wenigen Jahren.

 

 

Flexible Lizenzmodelle

Heute kann man problemlos Tages-, Monats- oder Jahresabonnements anbieten oder sich die Nutzung nach Häufigkeit bezahlen und automatisch über Cloud-gestützte Systeme abrechnen lassen. Vernetzung macht‘s möglich. Man kann auch Lizenzen nach Anzahl der Nutzer oder nach Funktionen zu gestaffelten Preisen verkaufen und sogar das In-App-Purchasing anbieten und so spezifische Funktionen aus der Anwendung heraus freischaltbar machen oder gar virtuelle »Coins« für Prepaid-Modelle nutzen. So werden ganz neue Leasingmodelle möglich, die gegenüber den einmal verkauften Medizingeräten einen kontinuierlichen Geldfluss zulassen, der die Investitionskosten für den Anwender senkt, flexible Gestaltungsmöglichkeiten der nutzungsabhängigen Bezahlung bietet und letztlich einen besonders wettbewerbsfähigen Mietzins für den Medizingerätehersteller oder Applikationsanbieter ermöglicht.

Macht man Funktionen zudem rein softwareseitig verfügbar, kann man für ganze Familien von Produkten eine einzige Standardhardware anbieten und Funktionen über den Lizenzschlüssel nutzbar machen oder sperren. Dies reduziert hardwareseitig die Variantenvielfalt, senkt so die Entwicklungs-, Fertigungs- und Zertifizierungskosten und vereinfacht zudem den Service und Kundendienst. Solche Lösungen findet man heute bereits in der Automobilwirtschaft. Warum sie also nicht auch in der Medizintechnik nutzen?

Nebenwirkungen

Die Topologie IoT-angebundener Devices enthält diverse Aufgabenstellungen und damit zumeist auch Softwareaspekte. Bildquelle: © Gemalto

Die Topologie IoT-angebundener Devices enthält diverse Aufgabenstellungen und damit zumeist auch Softwareaspekte.

Nutzt man Softwarelizenzen zudem dazu, die Nutzung einzelner Funktionen zu erfassen, kann man sogar die so gesammelten »Big Data« auch als Informationsgrundlage für die weitere Entwicklung der eigenen Lösung nutzen oder eine Datenbasis für medizinische Studien schaffen. Es gibt also auch viele attraktive Nebeneffekte, die man durch softwarezen¬trierte Geschäftsmodelle organisieren kann. Selbst der Austausch des Gerätes während laufender Lizenz wäre möglich. Der Anwender würde so von einer kontinuierlichen Innovation profitieren und sich letztlich länger an einen Hersteller binden, denn solange er zufrieden ist und mit neuester Technik bedient wird, gibt es keinen Grund zu wechseln.

 

 

 

Komplexes Entscheidungsszenario

Ein Lizenzmanagementsystem aufzusetzen hat viele unterschiedliche Aspekte. Hierbei gibt es deutlich mehr Management- als technologiebegründete Aufgabenstellungen. Bildquelle: © Gemalto

Ein Lizenzmanagementsystem aufzusetzen hat viele unterschiedliche Aspekte. Hierbei gibt es deutlich mehr Management- als technologiebegründete Aufgabenstellungen.

Wie man letztlich das softwarezentrierte Geschäftsmodell ausgestaltet, hängt vom Produkt und Anwender ab. Neben den Lizenzierungsoptionen sind viele weitere Dinge festzulegen wie die Art der Bereitstellung der Software oder die Art der Überwachung und des Managements der Lizenzen und Berechtigungen. Auch ist zu klären, ob das Lizenzmanagement auf jedem Device funktionieren muss, ob es kostenlose Demoversionen geben soll und wie das Lizenzmanagementsystem in das ERP-System eingebunden wird. Die Entwicklung des passenden Lizenzmanagementsystems ist also durchaus eine komplexe Fragestellung, die zudem auch von Anwender zu Anwender – beispielsweise für Klinik-, Praxis- und Homecare-Varianten – unterschiedliche Lösungswege enthalten kann.

 

 

 

Kaufen oder selbst entwickeln?

Bei solch vielfältigen Optionen und den damit einhergehenden Implementierungsanforderungen steht man rein operativ vor der Frage: Regle ich das selbst mit meinen eigenen Ressourcen oder nutze ich fertige Lösungsbaukästen professioneller Anbieter? Je flexibler, schneller, sicherer und innovativer ich ohne individuellen Engineering-Aufwand hierfür sein will, desto mehr kann man auf professionelle Lösungen setzen, wie sie etwa Gemalto mit »Sentinel« anbietet.

Über den Autor:

Ansgar Dodt ist VP Global Sales Software Monetization bei Gemalto.

Das medizinische Internet der Dinge (MIoT)
Applikationen des medizinischen Internets der Dinge (MIoT) werden laut Technavio bis 2020 eine CAGR (Compound Annual Growth Rate) von rund 37 % aufweisen und die Art, wie wir Medizingeräte entwickeln, signifikant verändern. Im Jahr 2015 entfiel mehr als die Hälfte des medizinischen IoT-Marktes auf angebundene Medizinprodukte. Das Hauptwachstum wird im Bereich der Überwachung chronischer kranker Patienten erwartet. Solche tragbaren Geräte setzen im Alarmfall sofort Benachteiligungen ab und ermöglichen es auch, mit Experten zu sprechen. Fitnessarmbänder, die mit dem Internet der Dinge verbunden sind, bilden den zweiten großen Trend, der sowohl im klinischen Bereich als auch für die flexible Patientenüberwachung im Krankenhaus genutzt werden kann.