Sie sind hier: HomeRubrikenEmbedded Systeme

News, Produkte, Fachartikel zur KFZ-Elektronik: Motorsteuerungen, Infotainment, Telematik, Fahrwerkselektronik.

Fälschungsschutz: Die App identifiziert

Schätzungen zufolge sterben täglich etwa 2000 Menschen wegen Einnahme gefälschter Arzneimittel. Um Produktpiraterie wirksam zu unterbinden, müssen gefälschte Produkte jedoch nicht nur eindeutig erkennbar sein; Pharmahersteller sollten auch wissen, wo die Plagiate in ihre Vertriebskette gelangen.

U-NICA Solutions Bildquelle: © U-NICA Solutions

Interpol beschlagnahmte 2015 anlässlich der Operation Pangea die Rekordzahl von 20,7 Mio. gefälschten Medikamenten mit einem geschätzten Wert von 81 Mio. US-Dollar. Gefälschte Medikamente stellen neben dem enormen Gesundheitsrisiko für die Konsumenten auch ein großes wirtschaftliches Problem für die Pharmabranche dar: »Sie schaden der Reputation der Industrie und können zu Umsatz- und Kundenverlusten führen, indem der Endverbraucher das Vertrauen in das Medikament oder den Hersteller verliert und das Medikament durch ein anderes ersetzt«, erklärt Alfred Rutz, CEO der U-Nica-Gruppe. Seit Februar 2016 gibt in Hinblick auf den Konsumentenschutz nun auch eine EU-Verordnung zur Fälschungsschutzrichtlinie von 2011 verbindlich vor, welche Sicherheitskennzeichnungen verschreibungspflichtige Medikamente zukünftig tragen müssen. Da alle Pharmahersteller gehalten sind, diese Anforderungen bis 2019 zu erfüllen, und auch in den USA sowie Asien ähnliche Vorschriften in Umsetzung beziehungsweise in Planung sind, gewinnen Verfahren zur fälschungssicheren Kennzeichnung im Pharmasektor weltweit zunehmend an Bedeutung.

»Um erfolgreich gegen die Fälschungsindustrie vorzugehen, ist es allerdings nicht ausreichend, Plagiate eindeutig identifizieren zu können«, so Rutz. »Die Pharmahersteller sollten auch darüber Bescheid wissen, wo genau die Fälschungen in ihre Distributionskette gelangen, wo im Markt sie auftauchen und wie die Waren verschoben werden.«

Kontrolle über die gesamte Lieferkette

U-Nica hat daher eine neuartige Sicherheitslösung entwickelt, die nicht nur die Vorgaben der Verordnung erfüllt, sondern auch einen flächendeckenden und wirkungsvollen Fälschungsschutz gewährleisten könnte: »scryptoTrace« schließt eine Lücke im bestehenden Angebot von Sicherheitslösungen und erlaubt es erstmals, Markenprodukte auf dem Weg vom Herstellungsort bis zum Verkaufspunkt an sämtlichen neuralgischen Stellen mittels Smartphone-Technik auf ihre Authentizität hin zu kontrollieren. Die Produzenten werden damit in die Lage versetzt, in Echtzeit Kenntnis über das Auftauchen einer Fälschung oder über Graumarktverschiebungen zu erhalten.

Die Voraussetzung dafür bilden dynamische Markierungen, die in die Medikamentenverpackungen eingebracht werden. Die Codierungen werden auf dem scryptoTrace-Server vom Pharmahersteller selbst generiert, verwaltet und je nach Bedarf dynamisch und flexibel eingesetzt. Für die Generierung von Codierungen wird lediglich das Original-Printlayout benötigt. Das Layout sowie die Druckprozesse bleiben unverändert, spezielle Druckmaschinen, die teils selbst eine Sicherheitslücke darstellen können (Vernetzung), sind nicht erforderlich. »Die software-basierte Sicherheitslösung kann im Gegensatz zu physischen Sicherheitslösungen sehr gut global skaliert werden und die Ausgaben für herkömmliche Sicherheitsaufwendungen eines Herstellers drastisch reduzieren«, erläutert Rutz.

Kontrolle mittels handelsüblicher Smartphones

Beim scryptoTrace-System werden Sicherheitselemente auf Medikamentenverpackungen aufgebracht. Dort lassen sie sich mittels einer speziellen Erkennungssoftware besonders einfach erfassen und prüfen. Bildquelle: © U-NICA Solutions

Beim scryptoTrace-System werden Sicherheitselemente auf Medikamentenverpackungen aufgebracht. Dort lassen sie sich mittels einer speziellen Erkennungssoftware besonders einfach erfassen und prüfen.

Zu diesem Zweck werden an verschiedenen Kontrollpunkten entlang der Vertriebskette Stichproben mit einem handelsüblichen Smartphone oder einem Tablet genommen, indem das Produkt fotografiert wird. Die App eruiert anschließend innerhalb von Sekunden, ob das Produkt echt oder gefälscht ist und übermittelt das Resultat zusammen mit wichtigen Informationen wie Datum, Zeit, Ort und Nutzer über das Mobilfunknetz an die Unternehmenszentrale. Der Pharmahersteller erfährt somit unverzüglich, wo Fälschungen oder Graumarktprodukte im Umlauf sind und kann die gesammelten Daten effizient auswerten sowie das Risiko identifizieren und quantifizieren. Durch den automatischen Abgleich mit dem Server, auf dem alle Informationen gespeichert werden, können die Unternehmen ihre Lieferkette und die Wirksamkeit ihrer Markenschutzmaßnahmen genau analysieren, punktgenau optimieren und die Ressourcen zielgerichtet einsetzen. Darüber hinaus kann die Codierung bei jeder Druckcharge ohne zusätzlichen Aufwand und je nach Bedarf per Software sehr schnell und fortwährend beliebig nach Land, Produkt, Absatzkanal und Zeit verändert werden. Diese wirkungsvolle Methode verhindert, dass Plagiate in unkontrollierbarem Ausmaß auf den Markt kommen, erhöht die Zuverlässigkeit der Erkennung von Fälschungen und Graumarktbewegungen und liefert zusätzlich differenzierte Auskünfte über den Distributionsablauf und das Kundenverhalten.

An verschiedenen Kontrollpunkten entlang der Vertriebskette werden Stichproben mit einem handelsüblichen Smartphone oder einem Tablet genommen, indem das Produkt fotografiert wird. Bildquelle: © U-NICA Solutions

An verschiedenen Kontrollpunkten entlang der Vertriebskette werden Stichproben mit einem handelsüblichen Smartphone oder einem Tablet genommen, indem das Produkt fotografiert wird.

Da die Technologie herkömmliche Smartphones und Tablets nutzt, ist sie global sowie offline einsetzbar und recht bedienerfreundlich: »Ein entscheidender Vorteil ist, dass Mitarbeiter, Inspektoren, Zoll, Polizei oder andere Partner entlang der nationalen oder globalen Distributionskette in der Lage sind, die Stichproben benutzergeführt und ohne Schulung oder teure Lesegeräte zu prüfen«, so Rutz. Das Verfahren erfordert außerdem keine Investitionen oder Veränderungen der Geschäftsprozesse und kann damit ohne lange Vorlaufzeit oder aufwendige technische Anpassungen eingeführt und skaliert werden, sodass der Schutz der Markenprodukte umgehend gewährleistet ist. Davon profitieren insbesondere internationale Unternehmen mit komplexen Organisationsstrukturen und breitem Produktspektrum, die ein hohes Gefährdungspotenzial haben. Die Lösung schließt eine Lücke im gegenwärtigen Angebot von Sicherheitstechniken und lässt sich, kombiniert mit einer bestehenden Logistiklösung oder Serialisierung der Produkte, zu einer Track-und-Trace-Lösung verbinden.

 

Endverbraucher kontrollieren selbst

Die App eruiert innerhalb von Sekunden, ob das Produkt echt oder gefälscht ist und übermittelt den Befund zusammen mit wichtigen Informationen wie Datum, Zeit, Ort und Nutzer über das Mobilfunknetz an die Unternehmenszentrale. Bildquelle: © U-NICA Solutions

Die App eruiert innerhalb von Sekunden, ob das Produkt echt oder gefälscht ist und übermittelt den Befund zusammen mit wichtigen Informationen wie Datum, Zeit, Ort und Nutzer über das Mobilfunknetz an die Unternehmenszentrale.

Außerdem eröffnet scryptoTrace den Herstellern zusätzlich die Möglichkeit, mit den Endverbrauchern zu interagieren und Vertrauen aufzubauen: »Mit der App versetzen Pharmaproduzenten jeden Smartphone- oder Tablet-Nutzer in die Lage, die Authentizität eines Medikaments am Verkaufspunkt zu überprüfen«, erläutert Rutz. »Endverbraucher können die Kontrolle mit dem eigenen Smartphone durchführen, anstatt sich auf jemand anderen verlassen zu müssen. Das gibt den Kunden Sicherheit und den Pharmaunternehmen eine stärkere Kundenbindung«. Für die Endverbraucher entstehen dabei keinerlei Kosten und auch für sie gilt, dass die App an jedem Ort der Welt und zu jeder Zeit genutzt werden kann – unabhängig davon, ob gerade eine Verbindung zu einem Mobilfunknetz besteht oder nicht.
Die direkte Kontrolle durch Kunden oder Konsumenten könnte jedoch noch einen wichtigeren Nebeneffekt haben: Wenn der Verbraucher die Fälschung sofort am Point-of-Sale identifiziert, wird automatisch mehr Druck auf die Distributionskette dahingehend ausgeübt, dass weniger Fälschungen auf den Markt gelangen und unseriöse Verkaufspunkte öffentlich bekannt werden. Damit wären die Hersteller nicht mehr mit dem globalen Fälschungsproblem allein und müssten es auch nicht mehr unbedingt durch kostspielige Inspektionen und aufwendige Detektionsverfahren lösen. Eine potenzielle globale Kontrollmannschaft aus 1,9 Mrd. Konsumenten mit Smartphones könnte sie zukünftig unterstützen und Produktpiraten deutlich mehr abschrecken als alle bisherigen Maßnahmen.

Weitere Anwendungen

Mit einem führenden Hersteller für chirurgisches Equipment wurde das System im Rahmen eines national geförderten Technologieprojektes an den Originalteilen selbst (Oberflächenstruktur) erprobt. »Das Unternehmen fand Fälschungen seiner Verbrauchsartikel im Markt und erhielt Augenzeugenberichte darüber, dass Originalteile mehrfach verwendet wurden«, sagt Rutz. »In einem Fall wurde derselbe Artikel direkt nacheinander für mehrere Patienten genutzt und hatte dabei Kontakt zu Körperteilen und -flüssigkeiten.« Die »Fingerprint«-Lösung, die zu eingebrachten Codierungen die Zufallsmuster von Material¬oberflächen zuverlässig detektiert, wurde verwendet, um unbenutzte Originalprodukte und Verbrauchsmaterialien in Echtzeit zu identifizieren: Sie warnt das Personal bei chirurgischen Eingriffen beziehungsweise vor dem Kontakt des Kunden mit möglicherweise kontaminierten Teilen davor, dass das Produkt schon einmal in Gebrauch war oder allenfalls nicht vom Originalhersteller stammt. Verbrauchsartikel, die eventuell in einem nicht sterilen Umfeld hergestellt wurden, können so bei Operationen ausgeschlossen werden.