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OP der Zukunft:: Chirurgische Navigation und vernetzte Geräte

Während es für OP-Personal selbstverständlich ist, zusammenzuarbeiten, funktioniert die Zusammenarbeit der Geräte noch nicht so gut – viele von ihnen sind noch isoliert voneinander. Das macht den Ablauf fehleranfällig. Im Inerview erklärt Prof. Andreas Melzer vom IACCS wie die Vernetzung das ändert.

Im OP der Zukunft sind alle Komponenten miteinander vernetzt. Bildquelle: © Pixabay

Im OP der Zukunft sind alle Komponenten miteinander vernetzt.

Herr Prof. Melzer, welche Ziele verfolgen Sie am ICCAS?

Prof. Andreas Melzer: Das ICCAS hat das Ziel, Diagnose und vor allem Therapie durch eine Computerassistenz zu optimieren. Der Arzt soll, während er komplizierte Therapieentscheidungen, zum Beispiel während einer OP, trifft, alle dazu notwendigen Informationen erhalten. Diese wollen wir mit einem Modell des Patienten zur Verfügung stellen, in dem alle relevanten Informationen zusammenfließen und durch Literatur und den aktuellen Leitlinien ergänzt werden. Ärzte stützen sich bei diesen Entscheidungen heute auf ihre Erfahrung und können aktuellste Erkenntnisse dabei häufig nicht überblicken. Durch die Computerassistenz, wie wir sie in unserem Modell-OP am ICCAS aufbauen, können Fehler in diesen komplizierten Abläufen vermieden werden.

In Ihrem Modell-OP versuchen Sie den »OP der Zukunft« umzusetzen – wie sieht dieser in Ihren Augen denn aus?

Wir waren Teil des deutschlandweiten Verbundprojekts OR.net. Dieses hat das Ziel, alle Komponenten im OP miteinander zu vernetzen, sodass sie miteinander kommunizieren können und in ein zentrales Steuersystem integriert sind. Das dient der Fehlervermeidung, der Erhöhung der Patientensicherheit und der Entlastung des Chirurgen. Ich denke, es macht den OP der Zukunft aus, dass die Geräte miteinander kommunizieren und nicht, ob es dort einen bestimmten Aufbau oder eine bestimmte Einrichtung gibt.

Welche Bedürfnisse des OP-Personals soll die Vernetzung bedienen?

Normalerweise ist es heute noch so: Geräte müssen im OP auf Zuruf des Chirurgen von einem Mitarbeiter gestartet und eingestellt werden. Die Vernetzung der Geräte, wie wir sie anstreben, spart Zeit, indem sie den Start automatisiert und die übrigen Geräten an den neuen Prozessschritt anpasst. Sie erhöht die Verfahrenssicherheit und verringert die Fehleranfälligkeit. Mit der Integration einer preventive maintenance, also der vorausschauenden Wartung, kann die Zuverlässigkeit der Komponenten weiter erhöht werden. So kann sich das Personal auf den Ablauf der OP und den Patienten konzentrieren, anstatt immer wieder kleinere Störungen und Verzögerungen im Ablauf beheben zu müssen.

Welche Komponenten im OP spielen denn hinsichtlich der Vernetzung eine besondere Rolle?

Das sind vor allem die invasiven Komponenten, wie Fräs- und Schneidinstrumente. Diese müssen optimal funktionieren und eingestellt sein und der Chirurg muss auch Informationen darüber erhalten. Unsere Lösung sieht vor, dies nicht mehr nur am Gerät selber darzustellen, sondern eben an einem zentralen, gut sichtbaren Schirm, der vom Chirurgen selbst bedient werden kann.

Am ICCAS in Leipzig wird in einem Modell-OP die erfolgreiche Vernetzung von Geräten erprobt. Bildquelle: © Swen Reichhold

Am ICCAS in Leipzig wird in einem Modell-OP die erfolgreiche Vernetzung von Geräten erprobt.