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DAK-Digitalisierungsreport: Ärzte wünschen sich mehr E-Health-Anwendungen

Ärzte sehen einen dringenden Handlungsbedarf bei digitalen Lösungen im Gesundheitssektor. Wie aus einer Studie im Auftrag der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit hervorgeht, nennen rund 80 Prozent der Befragten beispielsweise Videosprechstunden als nützlichen Ansatz.

Jeder Dritte (30 Prozent) kann sich sogar vorstellen, bei einem Start-up mitzuwirken, 14 Prozent würden eventuell investieren. Bildquelle: © Pixabay

Vor allem junge Ärzte befürworten E-Health-Anwendungen.

Ein Austausch zwischen Arzt und Patient per Videokonferenz sei derzeit jedoch nur eingeschränkt möglich. Denn das geltende Fernbehandlungsverbot sieht vor, dass ein Arzt einen Patienten persönlich untersucht haben muss, bevor er Telemedizin einsetzen darf. »Das Fernbehandlungsverbot muss grundlegend modifiziert werden, um mehr Spielräume für Ärzte und Patienten durch digitale Lösungen zu schaffen«, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. Andere Länder Europas seien im Bereich E-Health bereits viel weiter als Deutschland. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, hieß es bei der DAK.

Vorteile über Patientenutzen hinaus

Ein überwiegender Teil der Studien-Teilnehmer sieht in digitalen Lösungen auch Vorteile, die über den Patientennutzen hinausgehen. Ärzte sehen die Chance auf Wirtschaftlichkeit und Zeitersparnis für ihre Praxis – drei Viertel sehen hier einen möglichen oder klaren Nutzen. 85 Prozent sind sicher, dass sich neue medizinische Erkenntnisse und Leitlinien schneller verbreiten lassen. Fast 90 Prozent können sich vorstellen, dass wissenschaftliche Studien mit digitalen Methoden schneller durchgeführt werden können.

Mehr als zwei Drittel der 1147 befragten Ärzte halten digitale Lösungen für so vielversprechend, dass ihnen die eigene Einschätzung reicht: Sie würden Apps auch ohne Evidenznachweis empfehlen, wenn sie selbst von dem Produkt überzeugt sind. »Digitale Lösungen haben das Potenzial, das Gesundheitswesen voranzubringen, doch sie müssen validiert sein, bevor sie in die Anwendung kommen«, so Strom. Deshalb müsse man bei der Nutzenbewertung schneller werden. Strom fordert daher einen Masterplan, um unter anderem den Aufbau der Telematikinfrastruktur zu beschleunigen und die Interoperabilität von Systemen im Gesundheitswesen herzustellen. Jährliche Fortschrittsberichte sollten ein weiterer Teil dieses Plans sein.

Junge Ärzte sind E-Health gegenüber offener

Jüngere Ärzte mit maximal zwei Jahren Berufserfahrung sind offener für E-Health-Anwendungen als Ältere, die 20 Jahre oder länger im Beruf sind. So sieht gut jeder zweite der Jüngeren den Vorteil, durch digitale Anwendungen Zeit zu sparen. Bei den Älteren sieht dies nur jeder Vierte so. Eine bessere Therapietreue ihrer Patienten erhoffen sich 58 Prozent der jüngeren Mediziner. Bei den Älteren ist es nur ein Drittel.

Den meisten Ärzten ist es wichtig, dass Apps mit therapeutischer oder diagnostischer Funktion auf ihren Nutzen geprüft werden. 80 Prozent verlangen einen Nachweis des Nutzens mit klinischen Studien, so wie es bei Medikamenten üblich ist. Ein etwas höherer Anteil von 84 Prozent kann sich eine Art TÜV vorstellen, um eine unabhängige Prüfung zu gewährleisten. Trotzdem sagen zwei von drei Ärzten, dass schlankere Evaluationsmethoden gefunden werden sollten, insbesondere für Apps, die lediglich verhaltensändernd wirken sollen.

Wer die Finanzierung digitaler Anwendungen übernimmt, ist für Ärzte überwiegend zweitrangig. Rund drei Viertel halten auch Start-Ups mit Risikokapital für akzeptabel, wenn die Evidenzprüfung ausreichend ist. Für den Weg in die Regelversorgung, sodass Apps auch verordnet werden können, sehen viele Ärzte die medizinischen Fachgesellschaften (38 Prozent) oder die ärztliche Selbstverwaltung (27 Prozent) verantwortlich.

Was macht die GroKo?

Das Thema Gesundheit war ein Knackpunkt der GroKo-Verhandlungen. Ein Innovationsfonds, mit dem neue Versorgungskonzepte etwa im Bereich E-Health finanziert werden, wird über das Jahr 2019 hinaus mit einem Volumen von 200 Millionen Euro im Jahr fortgesetzt. Union und SPD wollen in der kommenden Wahlperiode außerdem die seit langem geplante elektronische Patientenakte für alle Versicherten einführen.

Die Ergebnisse des DAK-Digitalisierungsreport finden Sie hier.

(me)