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Schlafanalyse: Patientenfreundliche Herzfrequenzmessung

Immer mehr Menschen leiden unter Schlafstörungen. Beruflicher und privater Stress, Trauer, Depressionen – die Ursachen sind vielfältig. Fest steht, dass andauernde Schlafstörungen das allgemeine Wohlbefinden, die Gesundheit und somit die Lebensqualität beeinträchtigen können.

Bild 4. Befestigungsoptionen für den BKG-Knoten. Bildquelle: © Murata

Befestigungsoptionen für den BKG-Knoten.

Es gibt Situationen, in denen zum Ergründen der tatsächlichen Ursache einer Schlafstörung eine genaue Schlafanalyse erforderlich ist. Dafür gibt es eine etablierte Methode: die Polysomnografie (PSG), die in speziell ausgerüsteten Schlaflaboren durchgeführt wird. Die Patienten verbringen dort mindestens eine Nacht, oft auch mehrere. Während sie schlafen, sind ihre Körper mit mehreren Sensoren verkabelt, die bestimmte Gesundheitswerte aufnehmen.

Geschulte Techniker und Ärzte überwachen den Patienten, analysieren die Ergebnisse und erzeugen aus den aufgezeichneten Daten eine visuelle Darstellung des Schlafmusters. Dieser Prozess hat mehrere Nachteile: Er ist nicht nur teuer, sondern wegen der vielen Sensoren am Körper auch überaus störend für den Patienten. Es dürfte wohl für jeden Menschen unangenehm sein, derart verkabelt in einem fremden Bett zu schlafen – was Schlafstörungen möglicherweise forcieren kann.

Sanfte Alternative: Ballistokardiografie

Bild 1: Vergleich der Messausrüstungen von BKG (a) und PSG (b). Bildquelle: © Murata

Bild 1: Vergleich der Messausrüstungen von BKG (a) und PSG (b).

Weniger störend und zudem günstiger ist die Ballistokardiografie (BKG), eine über die letzten Jahre entwickelte Alternative zur PSG. Die BKG misst während des Schlafs die vom Körper erzeugten mechanischen Kräfte. Die BKG-Technik gilt mittlerweile als geeignet für den Langzeit-Einsatz bei der Schlafanalyse. Die Erfassung der Daten erfolgt mithilfe eines Beschleunigungssensors, der nicht unmittelbar am Körper des Patienten angebracht sein muss, sondern zum Beispiel in oder unter der Matratze sitzen kann (Bild 1).

Ein Vorteil der Ballistokardiografie ist, dass während der Messperiode Bewegungen der Probanden aufgezeichnet werden können. Beim PSG-Verfahren ist dies nur durch visuelle Beobachtung möglich. Es müssen also Spezialisten anwesend sein und den Probanden überwachen.

Klinische Tests, die von der Universität Aalto, School of Electrical Engineering in Zusammenarbeit mit der Universität Turku (Finnland) durchgeführt wurden, sollten den Nachweis erbringen, dass die mit einem BKG-Sensor aufgezeichneten Daten im Vergleich zu herkömmlich, zeitgleich aufgenommenen PSG-Daten so genau sind, dass sich die Technik zur Schlafanalyse im häuslichen Umfeld eignet. Die nachts durchgeführten Tests erfolgten in einem Schlaflabor an 20 gesunden Personen (17 Männern und drei Frauen) im Alter von 24 bis 46 Jahren. Von den Tests ausgeschlossen waren Personen, die bereits über Schlafprobleme klagten, sowie solche, die größere Mengen Alkohol oder Koffein konsumierten oder Medikamente einnahmen.