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Start-up Moio startet Crowdfunding: Intelligentes Pflaster erleichtert die Arbeit in der Pflege

Eine pflegebedürftige Person stürzt, hat sich verirrt oder liegt wund – das sind die Situationen, vor denen sich Pflegende fürchten. Um vorzubeugen, ist eine hohe physische Präsenz erforderlich, die Pflegende und Betroffene entlastet.Das Sensormodul moio.care soll hier bald für Entlastung sorgen.

Die Akkulaufzeit eines moios beträgt je nach Konfiguration zwischen 24 und 48 Stunden. Bildquelle: © Moio

Die Akkulaufzeit eines moios beträgt je nach Konfiguration zwischen 24 und 48 Stunden.

Egal ob in der häuslichen oder in der stationären Betreuung, die psychische und zeitliche Belastung der Pflegenden ist enorm. Dabei zeichnet sich bereits heute ab, dass sich die Situation  noch weiter verschärfen wird: Aufgrund des stagnierenden Angebots von professionellen Pflegekräften droht in den nächsten Jahren eine gravierende Versorgungslücke. Um diese zu schließen, sind neue Formen der Arbeitsteilung zwischen allen Beteiligten – Familie, Angehörigen und Pflegefachkräften – notwendig, um Menschen effizient und nach ihren individuellen Bedürfnissen zu versorgen.

Hier setzt das moio.care System an und schafft laut Hersteller mehr Freiheit  für die Gepflegten wie die Pflegenden: Es besteht aus einem flachen, flexiblen und weichen Sensormodul, das in einer elastischen Pflastertasche am Rücken befestigt wird. »Das TeleCare-System informiert Pflegende, falls konkreter Handlungsbedarf besteht, sodass Pflegebedürftige und Pflegende nicht permanent und unmittelbar räumlich aneinander gebunden sind« erläutert Moio-Geschäftsführer Jürgen Besser. Kontroll- und Routineaufgaben würden vereinfacht.

Mit umfangreichen Funktionen ausgestattet

In der ersten Entwicklungsstufe soll das Pflaster eine Vielzahl an Funktionen erfüllen: Virtuelles Geofencing alarmiert die Kontaktpersonen, wenn desorientierte Menschen definierte Zonen verlassen. Die gezielte Lokalisierung ermöglicht es im Notfall, die Position eines Menschen genau zu ermitteln. Beschleunigungs- und Lagesensoren senden ein Signal bei Sturzerkennung oder wenn sturzgefährdete Personen aus dem Bett aufstehen wollen. Zudem werden Pflegende informiert, falls ein definiertes Intervall bewegungslos verstrichen ist; so wird Wundliegen verhindert.

Zusätzlich kann der Sensor auswerten, wann und wieviel sich der Träger bewegt hat und das daraus ermittelte Aktivitätsprofil gibt so Aufschluss über den Kalorienbedarf. Um Fehlalarme zu vermeiden, kontrolliert das System eigenständig, ob es auch tatsächlich am Körper getragen wird. Alle Daten werden vom Modul lokal gesammelt und nur im definierten Bedarfsfall an einen Datenserver gesendet. Dieser informiert dann die Pflegenden, zum Beispiel über eine Nachricht an ein Smartphone.

Forschungsprojekt von Diakonie und Spitzencluster Medical Valley EMN

»Bislang am Markt verfügbare Geräte sind für Menschen mit Demenz häufig ungeeignet, da sie unbemerkt vergessen, abgenommen oder verloren werden können und zudem häufig bewusste Aktionen des Trägers erfordern«, so Besser. Um eine geeignetere Lösung zu entwickeln, initiierte die Diakonie Neuendettelsau im Jahr 2010 ein Forschungsprojekt mit Unternehmen im Spitzencluster Medical Valley EMN, an dem sich auch die Wilhelm Löhe Hochschule und der Lehrstuhl für Technische Elektronik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg beteiligten.

Innerhalb der kommenden anderthalb Jahre soll das System zur Marktreife gebracht und im zweiten Halbjahr 2018 die Zulassung als Medizinprodukt beantragt werden. Für die anstehenden Entwicklungsschritte und die Vorbereitung der Markteinführung des moio.care-TeleCare-Systems werden 250.000 € benötigt. Dafür hat das Unternehmen nun eine Crowdfunding-Kampagne auf aescuvest.de gestartet, die zur Finanzierung beitragen und das Produkt zudem bei künftigen Anwendern bekannt machen soll. (me)