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Design & Usability in der Medizintechnik: Auf den Anwender kommt es an

Einer der großen Trends, der sich auch in der Gestaltung medizinischer Geräte niederschlägt, ist der Trend zur Einfachheit. Bedienelemente werden mehr und mehr als Touchflächen ausgeführt. Das entspricht den Nutzungsgewohnheiten beim Smartphone, hat aber auch große Vorteile für die Hygiene.

Groß, größer, Insulunpumpe: Das Touchdisplay nimmt fast die gesamte Gehäusefläche ein. Bildquelle: © Ypsomed

Groß, größer, Insulunpumpe: Das Touchdisplay nimmt fast die gesamte Gehäusefläche ein.

Aufgeräumte Gestaltung und schlichtes Design, Touchflächen und große Displays, Mobilität und intuitive Bedienung – diese Trends gelten für Gebrauchsgegenstände und heute gleichermaßen für Medizintechnik. Warum? Weil Ärzte und Pflegepersonal heute dieselbe Benutzerführung, die sie von moderner Unterhaltungselektronik, von Smartphone und Tablet kennen, auch im beruflichen Alltag erwarten.

Drehregler, ganze Batterien von Tastern oder Schiebereglern sind schlicht out. »Wir werden immer mehr dahin gedrängt, neue Wege zu finden, Trends aus der Consumer Elektronik in der Medizintechnik umzusetzen«, sagt der Markus Wild von der auf Medizintechnik spezialisierten Agentur Wilddesign. Seit 28 Jahren gestaltet der Industriedesigner mit seinem Team Medizinprodukte – vom Insulinpumpen bis zum Großgerät. Im Durchschnitt arbeiten Designer und Usability Engineers über einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten hinweg zusammen.

Gestiegene Anforderungen in der MDR

Die Gebrauchstauglichkeit ist in der neuen MDR, der ab dem 26. Mai 2020 geltenden Europäischen Medizinprodukteverordnung, für die Zukunft von deutlich höherer Bedeutung als es früher der Fall war. Detaillierte Vorschriften regeln die Durchführung und Dokumentation des Usability Engineering Prozesses. Damit schließt Europa ein Stück weit zu den Vorstellungen der amerikanischen FDA auf, die die Gebrauchstauglichkeit schon länger hoch gewichtet. Für die Bestätigung der Usability reichen vereinzelte Aussagen von Anwendern also nicht aus, konkrete Tests müssen durchgeführt und dokumentiert werden.

Die Regulierung umfasst allerdings lediglich die Gebrauchstauglichkeit, die nicht ganz einheitlich definiert ist. Nach ISO 9241 ist Gebrauchstauglichkeit das »Ausmaß, in dem ein interaktives System durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen«. Diese Gebrauchstauglichkeit hängt von den Charakteristiken der Nutzer und der Nutzungsumgebung ab. Die IEC 62366 fokussiert auf die Mensch-Produkt-Schnittstelle und verlangt »Effektivität, Effizienz, Lernförderlichkeit und Zufriedenstellung« bei der Benutzung.

Komplex wird es demnach immer dann, wenn mehrere Nutzergruppen ein medizinisches Gerät einsetzen. Die Foolproof-Bedienung ist die größte Herausforderung für den Designer – »gerade am Point of Care, wo Diagnostik, Therapie oder Bildgebung vom Patienten selbst angewendet werden«, so Wild. Designer können nicht immer vorher hundertprozentig sicher festlegen, wer die Systeme später bedient. »Deshalb müssen Geräte so einfach zu bedienen sein, wie ein Fahrkartenautomat«. Diese Nutzung geht auch weit über das eigentliche diagnostische oder therapeutische Verfahren hinaus: Die Reinigung muss genauso einfach sein wie das Auswechseln oder das automatische Auswerfen von Verbrauchsmaterialien, wie zum Beispiel Nadeln bei der Bestimmung des Blutzuckerwerts.