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Jahrestagung der DGBMT: VDE vergibt »Preis für Patientensicherheit in der Medizintechnik«

Der diesjährige »Preis für Patientensicherheit in der Medizintechnik« geht an ein interdisziplinäres Team aus Industrie, Klinik und Forschung. Sie werden für Arbeit zum »Intraoperativen Neuromonitoring des autonomen Nervensystems im kleinen Becken« ausgezeichnet.

Pokale Bildquelle: © Pixabay

»Preis für Patientensicherheit in der Medizintechnik 2019« im Bereich des pelvinen intraoperativen Neuromonitorings

Die Gefahr Nerven zu schädigen, ist besonders bei Operationen im Bereich von Nervenbahnen allzeit präsent. In diesem Fall kann es zu schwerwiegenden Folgen für die Lebensqualität betroffener Patienten kommen sowie damit verbunden, oftmals zu hohen Kosten für das Gesundheitssystem. Das sogenannte intraoperative Neuromonitoring (IONM), eine Methode, die es erlaubt, während der Operation die Funktionalität der eventuell in Mitleidenschaft gezogenen Nerven zu überprüfen, ist inzwischen für einige chirurgische Eingriffe in bestimmten Körperbereichen ein etablierter und evidenzbasierter Standard. Denn beispielsweise operative Eingriffe an Beckenorganen (zum Beispiel in der Kolorektalchirurgie) mit ihren äußerst feinen und komplexen Nervenstrukturen bringen hohe Risiken mit sich, zumal hier die Sicht für den Operateur durch den engen anatomischen Raum eingeschränkt ist.

Das ausgezeichnete interdisziplinäre Team aus Industrie, Klinik und Forschung arbeitete über einen Zeitraum von einem Jahrzehnt gemeinsam an der technischen Entwicklung bis hin zur klinischen Etablierung eines intraoperativen Neuromonitoring-Verfahrens für die pelvinen Nerven (pIONM). Die Besonderheit besteht unter anderem darin, dass das Zielorgan glatte Muskulatur ist, die sich anders als die Skelettmuskulatur in klassischen IONM-Verfahren verhält. Zunächst musste daher grundsätzlich betrachtet werden, wie glatte Muskulatur auf elektrische Stimulation reagiert, um die Voraussetzungen zu schaffen, folglich ein System zu konzipieren und aufzubauen, das den speziellen Anforderungen sowohl der autonomen Nerveninnervation als auch der Kolorektalchirurgie gerecht wird. Erste klinische Untersuchungen zeigen beim Einsatz von pIONM vielversprechende Ergebnisse mit signifikant besseren postoperative Funktionsraten.

In den letzten Jahren konnte Inomed durch die intensive Forschungsarbeit mit der Universitätsmedizin Mainz und dem Fraunhofer IBMT zwei Systeme mit der patentierten pIOM-Technologie auf den Markt bringen. Dank der Arbeiten des Teams um Karin Somerlik-Fuchs können nun wichtige Nerven, die zum Beispiel für eine ordnungsgemäße Blasenentleerung, die Enddarm- oder auch die Sexualfunktion relevant sind, zuverlässig ausgemacht und vor unbeabsichtigten Schädigungen während der Operation geschützt werden. Dass entsprechende patientenrelevante Komplikationen verringert werden können, zeigte sich in ersten Studien - ein großer Fortschritt im Beitrag zur Patientensicherheit bei Eingriffen im Bereich des kleinen Beckens. Im nächsten Schritt ist geplant, die Methode von der Rektumchirurgie auf den Bereich gynäkologischer chirurgischer Eingriffe zu adaptieren.

Zusammenfassung: Die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e. V. (VDE|DGBMT) und das Aktionsbündnis für Patientensicherheit vergeben am 25. September 2019 den »Preis für Patientensicherheit in der Medizintechnik«. Das Team um Dipl.-Ing. Karin Somerlik-Fuchs (inomed Medizintechnik GmbH, Emmendingen), Prof. Dr. med. Werner Kneist (Universitätsmedizin Mainz) und Prof. Dr.-Ing. Klaus-Peter Hoffmann (Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, St. Ingbert), erhält für seine herausragende Arbeit zum »Intraoperativen Neuromonitoring des autonomen Nervensystems im kleinen Becken« im Rahmen der Jahrestagung der VDE|DGBMT in Frankfurt den durch Dr. med. Hans Haindl gestifteten, mit 5.000 € dotierten ersten Preis.

 

(me)