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Nano Global/ARM: Die Welt wird zum Labor

Nano Global entwickelt zusammen mit ARM einen Chip, der das bisherige Gesundheitswesen revolutionieren soll. Datenverarbeitung auf Basis von künstlicher Intelligenz, Optik, Blockchain-Authentifizierung und Edge-Computing sollen es möglich machen.

Nano_Press-Presentation Bildquelle: © Nano Global

Eine gesündere Welt rettet nicht nur Leben, sondern spart auch Kosten.

»Die Menschheit steht einer Reihe von Umwelt- und Gesundheitsproblemen gegenüber, die mit den bisherigen Ansätzen nicht gelöst werden können«, sagt Steve Papermaster, Chairman und CEO von Nano Global. Dazu zählt er unter anderem multiresistente Erreger, die sich immer mehr und immer schneller verbreiten und die auf kein Antibiotikum mehr reagieren. Aber auch infektiöse Krankheiten, die irgendwo auf der Welt entstehen und sich aufgrund der Mobilität der Menschheit rasant verbreiten, oder Krebs sowie Umweltprobleme sind ernsthafte Probleme. »All diese Entwicklungen machen einen Paradigmenwechsel erforderlich, damit wir diese Herausforderungen meistern können.«

Diesen Paradigmenwechsel will Papermaster mithilfe molekularer Daten, die sich durch riesige Mengen adressierbarer Marker zusammensetzen, erreichen. Diese Marker sind messbare physikalische und chemische Charakteristika, die für jede Lebensform und jeden Virus speziell sind. Diese werden bereits erfasst und gesammelt, allerdings nicht in dem großen Stil, der Papermaster vorschwebt. Denn die Daten werden für einen Patienten in einer Laborumgebung erhoben. Das ist für den Patienten sinnvoll, aber es hilft nicht, die bereits genannten Probleme zu lösen. In einer Laborumgebung werden die Variablen isoliert, um ihr Verhalten zu studieren. Und diese Isolation führt manchmal zu falschen und kostspieligen Annahmen.

Das aber viel größere Problem besteht darin, dass mit den Lanordaten nur ein Minimum des eigentlichen Datenpotenzials genutzt wird, denn »diese wertvollen molekularen Daten können überall erfasst werden, nicht nur im Labor«, so Papermaster weiter. Wird dies gemacht, sprich: Relevante Daten werden überall in Echtzeit erfasst und analysiert, dann könnten die Vorteile von Big Data wirklich genutzt werden und faktenbasierte Entdeckungen seien möglich. Und die Analyse von molekularen Daten in Echtzeit in einer realen Umgebung, also außerhalb des Labors, ist aus Papermasters Sicht dank der Fortschritte in der Prozesstechnologie, nämlich der Nanotechnologie, heute möglich. Dank kleinster Prozessstrukturen lässt sich künstliche Intelligenz auf Chip-Ebene realisieren.

In der Praxis braucht es Partner

Soweit zur Theorie. In der Praxis hat sich Nano Global mit ARM zusammengetan, um seinem Ziel – eine gesündere Welt – näher zu kommen. Beide Unternehmen entwickeln gemeinsam einen Chip, der unter anderem auf bestehenden IPs von ARM basiert. In das SoC sollen folgende Funktions- beziehungsweise IP-Blöcke integriert werden: CPU (Cortex), GPU (Mali), Mikrocontroller (Cortex), Speicher und der dazugehörige Controller, Kommunikations-IP, Sicherheits-IP (TrustZone CrytoCell), optimiertes Nano-IP sowie optische Sensoren und Umgebungssensoren.

Mit diesen Chips sollen Molekulardaten in Echtzeit überall auf der Welt erfasst und verarbeitet werden, sodass Schlussfolgerungen lokal getroffen werden können. Relevante Metadaten wiederum werden in die Cloud zur Weiterverarbeitung geschickt werden, sodass einerseits ein riesiger Daten-Pool entsteht und andererseits eine weitere Analyse durchgeführt werden kann. Dank der ständigen Erfassung von Daten lassen sich aus Papermasters Sicht beispielsweise Mutationen von Bakterien schneller erkennen, Pandemien vermeiden oder neue Arzneimittel leichter finden.

Erste Generation soll 2020 auf den Markt kommen

Die Zusammenarbeit mit ARM geht aber noch weiter: Die Unternehmen entwickeln zusammen ein neues IP für die nächste Generation von Chips von Nano Global. »Wir nutzen also nicht nur das IP, sondern auch ihre Entwickler und das Ökosystem von ARM«, so Papermaster. Zeitlich plant Nano Global, die erste Generation der SoCs 2020 auf den Markt zu bringen.

Die ersten Kunden für das neue SoC sind aus Papermasters Sicht Hersteller im medizinischen Bereich oder im Gesundheitswesen. Langfristig sollte sich der Kundenstamm allerdings vergrößern, denn die Chips, die Nano Global plant, dürften langfristig auch für Wearables-Hersteller beispielsweise im Fitness-Bereich interessant sein. In dem Moment, in dem Konsumenten erkennen, dass sie wichtige Daten für die eigene Gesundheit erfassen und auswerten können, dürfte die Nachfrage über alle Grenzen hinweg steigen, egal ob es Textilien mit integrierten SoCs oder Fitness-Uhren sind. Dann wird die Welt zum Labor – damit werden wirklich Big Data generiert, die weltweit zum Vorteil der Menschheit genutzt werden können. (me)

Nano Global, Papermaster.jpg Bildquelle: © Nano Global

Steve Papermaster, Nano Global: »Wir entwickeln gemeinsam mit ARM einen Chip für künstliche Intelligenz, um das Gesundheitswesen zu revolutionieren, indem Molekulardaten in Echtzeit erfasst und analysiert werden.«