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Work-by-Inclusion: Datenbrille erleichtert Gehörlosen die Arbeit in der Logistik

Die Augmented Reality ist bereits seit längerem ein Forschungsschwerpunkt am Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss, Logistik an der TUM. Dabei geht es den Forschern nicht um neue Apps, sondern um den Einsatz der Technik in der Logistik, speziell der Kommissionierung.

Datenbrille in der Logistik: Bereits seit Ende 2017 können die Mitarbeiter von Schmaus die Datenbrille verwenden. Bildquelle: © Foto Studio West/H. Vogel

Datenbrille in der Logistik: Bereits seit Ende 2017 können die Mitarbeiter von Schmaus die Datenbrille verwenden.

Beim Kommissionieren müssen Aufträge abgearbeitet werden; die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter holt bestimmte Waren aus dem Lager, die wiederum an einen anderen Ort abgelegt werden. »Dieser Mensch muss wissen, wohin er gehen und welche Produkte er nehmen soll«, sagt Prof. Willibald Günthner von der Technischen Universität München. In der Regel werden die entsprechenden Informationen auf einen Zettel geschrieben oder auf einem Display angezeigt.

Die Idee von Günthner und seinem Team war es, die Informationen stattdessen mithilfe von Datenbrillen einzuspielen. Der Vorteil: Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben die Hände frei und so mehr Bewegungsspielraum, auch werden sie visuell zum Ziel geführt. Die Technologie ist unter dem Begriff Pick-by-Vision als Warenzeichen eingetragen. In dem dreijährigen Forschungsprojekt »Work-by-Inclusion« ging die Entwicklung der Technologie noch einen Schritt weiter: Die Forscher haben ein komplettes System für die Inklusion hörbehinderter Menschen in einem Betrieb verwirklicht.

Hörbehinderte und Hörende profitieren gleichermaßen

»Wir wollten mit dem System eine Inklusion erreichen«, sagt Günthner. Es sollte für hörbehinderte und hörende Menschen sein. Die Wissenschaftler führten viele Befragungen durch, um die Bedürfnisse und Anregungen der Angestellten in die Entwicklung einfließen zu lassen. So stellte sich etwa heraus, dass es besser verständlich ist, Informationen durch Symbole zu verdeutlichen als mithilfe von Text.

Auch müssen die Brillengestelle individuell an jede Benutzerin und jeden Benutzer angepasst werden, damit diese sich nicht durch die Brille gestört fühlen. »Es gibt auch einige Funktionen, die wir zusätzlich implementiert haben. So ist es möglich, vorformulierte Kurznachrichten mit anderen auszutauschen«, erklärt Matthias vom Stein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl. Damit wurde eine Kommunikationsplattform geschaffen, die ohne gesprochene Sprache funktioniert.

System auf andere Anwendungen übertragbar
Das entwickelte System umfasst die Datenbrille mit der darauf installierten Kommissionier-App, einen Handscanner, mit dem die Barcodes der Waren abgelesen werden, und eine Lagerverwaltungssoftware. »Wir haben eine offene Schnittstelle zu der Kommissionier-App auf Android-Basis definiert«, erklärt vom Stein. Damit kann das System auch von anderen Firmen oder Institutionen genutzt werden.

Ein weiterer Vorteil: Die Software ist auf zukünftige Datenbrillen anwendbar, wenn diese ein Android-Betriebssystem besitzen. Bei der Firma Schmaus ist das Gesamtsystem bereits seit Ende 2017 in Betrieb. »Die hörbehinderten Mitarbeiter sind mit Feuer und Flamme dabei, weil sie jetzt einfach Teil der ganzen Mannschaft sind«, sagt vom Stein. (me)