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Start-up des Monats: Inveox: Pathologie 4.0: effizient und fehlerfrei

Anfang Februar startete der von Roche unterstützte Digital Health Accelerator. Mit Inveox ist ein Start-up aus Deutschland dabei. Das Unternehmen will Laboren dabei helfen, Gewebeproben effizienter und fehlerfrei zu untersuchen. Dazu gehört auch eine Automatisierungsplattform samt Web-App.

Starkes Duo: Maria Driesel und Dominik Sievert Bildquelle: © Inveox

Starkes Duo: Inveox-Gründer Maria Driesel und Dominik Sievert

Junge Gründer, große Ideen – Start-ups trauen sich das, wovor große Unternehmen oft Angst haben. Sie machen einfach. Von der Diabetes-App über intelligente Prothesen bis hin zu Pflegerobotern: Kein Vorhaben scheint zu groß oder gar abwegig.

Unternehmergeist ist nicht nur löblich, sondern gerade in der Medizintechnik nötig. Hier sind Start-ups keine Konkurrenten von Unternehmern und Ärzten, sie sind ihre Partner. Wir möchten einige dieser Köpfe und ihre Ideen genauer vorstellen. Dieses Mal: Inveox. Das Start-up aus Garching bei München will die  Arbeit mit Gewebeproben vereinfachen und die Fehlerquote dabei deutlich senken.

Wie lautet Eurer Elevator Pitch?
Inveox digitalisiert und automatisiert Pathologie-Labore. Dadurch wird die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Krebsdiagnosen erhöht, gleichzeitig die Effizienz und Rentabilität von Laboren gesteigert. Zeitintensive, stark manuelle Laborprozesse sind teuer, fehleranfällig und der häufigste Grund für Fehldiagnosen. Allein in Deutschland werden jährlich Hunderte von Patienten aufgrund falsch-positiver/negativer Laborbefunde fehldiagnostiziert oder falsch behandelt. Einem durchschnittlichen Labor können durch vermeidbaren Personalaufwand Mehrkosten von bis zu 200.000 Euro entstehen. Der finanzielle Schaden im Gesundheitswesen wird auf 50.000.000 Euro geschätzt. Unser Ziel ist es, durch eine digitalisierte, vollautomatisierte und vernetzte Histopathologie – von der Probenannahme bis hin zum Objektträger – schnelle und zuverlässige Krebsdiagnosen zu ermöglichen.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?
Wir (Anm. d. Red.: die beiden Gründer Dominik Sievert und Maria Driesel) sind auf zwei Kontinenten,  unabhängig voneinander und dennoch nahezu zeitgleich zum Entschluss gekommen: Der gängige Workflow des Biopsie-Eingangs und das herkömmliche Verfahren der Probenvorbereitung sind unwirtschaftlich und bergen zudem große Fehlerpotentiale, die schlimmstenfalls über Leben und Tod entscheiden können.

Was war Euer größter Erfolg?
Zunächst war da der glückliche Zufall, dass wir uns im Rahmen des Manage+More Programms der TUM kennengelernt haben. Dadurch konnten wir unsere Ideen und jeweiligen Stärken bündeln und potenzieren. Desweiteren hatten wir das große Glück, geschäftlich wie menschlich großartige Mentoren und Investoren für unsere Vision zu gewinnen, die Inveox von Beginn an zur Seite stehen, den Weg ebnen, Rückenwind geben und hin und wieder auch Türen öffnen. Vom Magazin Für-Gründer zum »StartUp des Jahres 2017« gewählt zu werden und Teil des Digital Health Accelerator von Roche Diagnostics zu sein, sind für uns ebenfalls große Meilensteine auf unserem Weg.

Was war Euer größter Rückschlag?
Klar, wie jeder haben auch wir unsere kleinen und großen Herausforderungen im Alltag – ein Unternehmen zu gründen hat es eben in sich und erfordert, so glauben wir, neben Gründergeist und Geschäftssinn auch einen starken persönlichen Einsatz. Inveox ist für uns nicht einfach ein Projekt sondern eine Aufgabe, der wir uns mit all unserer Kraft und Leidenschaft verschrieben haben. Von Rückschlägen bislang verschont, sehen wir derzeit eine unserer wichtigsten Herausforderungen in der zeitnahen Erweiterung unseres Experten-Teams. Ansonsten freuen wir uns darauf, in wenigen Wochen unsere Vorserien-Produkte vorzustellen und in die Series A Investmentrunde einzusteigen.  

Wo seht Ihr Euch in fünf Jahren?
In fünf Jahren wollen wir mit Inveox der weltweit führende Anbieter für Labor-Automatisierung sein.

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?
Ohne sichere Diagnose meist keine gute Therapie: Daher fängt die Medizin der Zukunft für uns im Labor an. Ein vollautomatisiertes, vernetztes Labor inklusive Probentracking und der vollständigen Erfassung von Prozessdaten: Process Mining und ein Algorithmus, um zu verstehen was mit einer Probe auf ihrem langen Weg zwischen Entnahme und Befundung passiert als Datengrundlage für weitere Erkenntnisse. Unsere Zukunfts-Vision, auf die wir unsererseits mit unserem Unternehmen hinarbeiten ist eine Plattform, auf der Informationen zentral zusammenlaufen: Prozessdaten und Diagnose aus der Pathologie und Radiologie könnten eines Tages in Verbindung mit den Patienenprofilen die Grundlage für eine zuverlässige holistischen Diagnose sein – und das in Echtzeit.

Fakten zum Start-up:
Anzahl der Kunden: Derzeit warten circa 50 Kunden aus Deutschland, darunter mehrere Unikliniken, auf den Lieferzeitpunkt der ersten Inveox Automatisierungssysteme. Mit etwa 250 weiteren führen wir bereits interessante und konstruktive Gespräche.
Gründung: 18.02.2017
Mitarbeiter: 14 Vollzeit-Mitarbeiter in Festanstellung (davon 10 in der Produktentwicklung)
Finanzierung: Seed Investment 06/2017 mit 1 Mio. Euro; Serie A für Frühsommer 2018 geplant mit 10 Mio. Euro

Inveox ist Teil des von Roche initiierten und unterstützten Digital Health Accelerator.

(me)

 

Unter Zeitdruck: In wenigen Wochen will das Unternehmen seine Vorserien-Produkte  vorstellen. Bildquelle: © Inveox

Unter Zeitdruck: In wenigen Wochen will das Unternehmen seine Vorserien-Produkte vorstellen.