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Start-up des Monats: StethoMe: 200 Jahre Medizintechnik auf den Kopf gestellt

Anfang Februar startete der von Roche unterstützte Digital Health Accelerator. Mit dabei ist auch StethoMe aus Poznań (Polen). Das Start-up hat das rund 200 Jahre alte Stethoskop digitalisiert.

StethoMe-Gründerteam (v.l.n.r.): Wojciech Radomski, Marcin Szajeknicht, Honorata Hafke-Dys, Jędrzej Kociński und Paweł Elbanowski Bildquelle: © StethoMe

StethoMe-Gründerteam (v.l.n.r.): Wojciech Radomski, Marcin Szajek, Honorata Hafke-Dys, Jędrzej Kociński und Paweł Elbanowski

Junge Gründer, große Ideen – Start-ups trauen sich das, wovor große Unternehmen oft Angst haben. Sie machen einfach. Von der Diabetes-App über intelligente Prothesen bis hin zu Pflegerobotern: Kein Vorhaben scheint zu groß oder gar abwegig.

Unternehmergeist ist nicht nur löblich, sondern gerade in der Medizintechnik nötig. Hier sind Start-ups keine Konkurrenten von Unternehmern und Ärzten, sie sind ihre Partner. Wir möchten einige dieser Köpfe und ihre Ideen genauer vorstellen. Dieses Mal: StethoMe. Das Start-up aus Poznań (Polen) hat ein intelligentes Stethoskop ohne Kopfhörer entwickelt.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Die Idee stammt von den StethoMe-Mitgründern Honorata Hafke-Dys, Ph.D. und Jędrzej Kociński, Ph.D.. Beide sind Wissenschaftler und Eltern, die mit häufigen Atemwegsinfektionen ihrer Kinder zu kämpfen hatten. Sie hatten die Idee, dass ein Heim-Stethoskop  das Leben vieler Familien weltweit verändern könnte. Doch ohne Wojciech Radomski, Paweł Elbanowski und Marcin Szajek wäre die Umsetzung nicht möglich gewesen – sie führen seit über zehn Jahren ein Dienstleistungsunternehmen im IT-Bereich.

Was war euer größter Erfolg?
Unser bisher größter Erfolg ist die Tatsache, dass unser Projekt sowohl von medizinischen Fachkreisen aufgenommen wurde als auch von Eltern, die uns oft schreiben und uns von ihren persönlichen Geschichten berichten. Wir werden zu Fachtagungen eingeladen und haben über zehn internationale Auszeichnungen erhalten. Zu den wichtigsten zählen der Hauptpreis beim IOT/WT Innovation World Cup in der Kategorie Healthcare und der dritte Preis und Publikumspreis, den wir beim Future X Healthcare Start-up Award 2017 von Roche erhalten haben. Eine weitere sehr bedeutende Auszeichnung, die uns viele Türen geöffnet hat, ist der Champion Award, den wir bei der Philips Innovation Challenge gewonnen haben.

Und der größte Rückschlag?
Unsere Idee stieß bei Eltern von Anfang an auf eine sehr gute Resonanz. Die Ärzte zu überzeugen, hat uns hingegen etwas mehr Zeit gekostet. Bei der Entwicklung eines Medizinproduktes ist es sehr wichtig, die Akzeptanz der medizinischen Fachwelt zu erhalten. Darüber hinaus benötigen Medizinprodukte wie unseres eine fundierte wissenschaftliche Grundlage.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?
Wir möchten, dass StethoMe in der Hausapotheke jeder Familie zu finden ist, um den Zustand der Atemwege an jedem Ort und zu jeder Zeit überprüfen zu können. Wir möchten, dass die Algorithmen, die wir – mit Blick auf die Verbesserung der Arbeitsqualität in der Medizin – entwickeln, die Auskultationsdiagnostik deutlich verbessern. Das Ziel ist, die Auskultation zu einer objektiven Untersuchung werden zu lassen. Dank der großen Datenbank von Auskultationsgeräuschen, die von Spezialisten charakterisiert wurden, verfügen wir über beachtliche Möglichkeiten bei der Analyse und damit auch der qualitativen Verbesserung der Diagnostik und der Therapieüberwachung bei chronischen Krankheiten wie Asthma.

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?
Das ist eine schwierige Frage, wenn man bedenkt, dass sich die Gesundheitsversorgung in einer Vielzahl von Branchen entwickelt. Aus unserer Sicht sehen wir im Rahmen der Entwicklung große Chancen, wenn es um den Einsatz von KI-Algorithmen und die Objektivierung des Diagnoseprozesses selbst geht. Es entstehen riesige neue Datenbanken und wir verfügen bereits über die Werkzeuge, um diese Daten zu analysieren und daraus Schlüsse ziehen zu können. Wir werden zudem Instrumente nutzen, mit denen wir in der Lage sein werden, Fernberatungen durchzuführen.

Fakten zum Start-up:
Anzahl der Kunden: Markteintritt in 2019
Gründung: 2016
Mitarbeiter: 25
Finanzierung: 3,9 Mio. Euro

StethoMe Teil des von Roche initiierten und unterstützten Digital Health Accelerator.

Stethoskop ohne Kopfhörer: Geräusche werden aufgezeichnet und an eine App übermittelt. Bildquelle: © StethoMe

Stethoskop ohne Kopfhörer: Geräusche werden aufgezeichnet und an eine App übermittelt.