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Gastkommentar von Joachim M. Schmitt: Digitale Medizin als eigener Versorgungsbereich

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) spricht sich für neue Zugangswege für digitale und telemedizinische Anwendungen aus und schlägt als zusätzlichen Versorgungsbereich »Digitale Medizin« vor. Dafür sind Evaluationen erforderlich, die den Besonderheiten von Digital Health entsprechen.

Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed Bildquelle: © BVMed

Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed

Wir dürfen die digitale Entwicklung weder unter- noch überschätzen. Wir müssen sie besser wertschätzen. Wir müssen Digitalisierung positiv begreifen und begleiten. Die Chancen durch diese neuen Wege sind enorm, die Risiken durchaus beherrschbar. Wir brauchen einen mutigeren Umgang mit dem Thema.

Digitalisierung im Gesundheitswesen kann die Patientensteuerung zwischen den Sektoren verbessern. Dieser Schatz muss gehoben werden. Die Digitalisierung kann aber auch als eigener Versorgungsbereich neue Patientenpfade gestalten und diese durch digitale Produkte und Services mit eigener Vergütung verbessern.

Mit digitalen Medizinprodukten entsteht eine neue Kategorie von Medizinprodukten, die in die ärztliche Therapie eingreifen, indem sie selbst therapeu­tische Empfehlungen geben. Eine »Modellkrankheit für die Digitalisierung« könnte Diabetes sein, da betroffene Patienten ständig messen und Daten erheben. Das erste geschlossene System für Blutzucker-Messung und Insulin-Gabe befindet sich in den USA bereits auf dem Markt und wird zeitnah auch nach Deutschland kommen. Diabetes-Patienten erhalten ein größeres Maß an Autonomie, wenn sie sich mit den digitalen Medizinprodukten auseinandersetzen. Erforderlich ist aber, einen Katalog zu entwickeln, welche Kriterien neue digitale Medizinprodukte erfüllen müssen, damit ein Algorithmus auch nachvollziehbar ist und gute von schlechten Algorithmen unterschieden werden können.

Die digitale Transformation verändert insgesamt Prozesse und ermöglicht Ziele und Strategien, die zuvor unmöglich waren. Dies geht nur mit gegenseitigem Vertrauen in diese Entwicklungen – und dazu gehört auch ein zielführender Datenschutz. Um Gesundheitsdaten versorgungs- und forschungsorientiert nutzbar zu machen, sind Regelungen zur sicheren Erhebung und Verwendung dieser Daten notwendig. Wir plädieren für die Einrichtung eines akteursübergreifenden Gremiums, das die Anforderungen hieran definiert.

Aufgrund der sektorenübergreifenden Relevanz digitaler Anwendungen schlägt der BVMed einen neuen Versorgungsbereich »Digitale Medizin« mit einer eigenen Vergütung vor – unabhängig von den bestehenden Versorgungssektoren. Die »Digitale Medizin« ließe sich aus Mitteln des Gesundheitsfonds und angepasster Zuweisungen aus dem Risikostrukturausgleich finanzieren, beispielsweise mit 1 Milliarde Euro jährlich zum Ausprobieren neuer digitaler Anwendungen und Instrumente. Damit kann Deutschland ein Vorreiterland im Zeitalter der digitalen Gesundheitversorgung werden. Die Ankündigung eines solchen Vergütungssystems kann den Fortschritt im Gesundheitsbereich in Deutschland stimulieren und befördern.

Für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung ist zudem die ganzheitliche digitale Abbildung der Versorgungsprozesse erforderlich. Nur wenn hierbei alle Akteure integriert sind, ergibt sich ein Mehrwert. Dies setzt den zügigen Aufbau des elektronischen Gesundheitsberuferegisters und die Ausgabe der Heilberufeausweise an die nicht-approbierten Heilberufe voraus, also auch an Homecare-Unternehmen, Sanitätshäuser und die Pflege. Dies schafft zudem die Grundlage für die Stärkung der Vernetzung der beteiligten Akteure und damit der sektorenübergreifenden Versorgung.


 

Zuerst gesehen: Dieser Beitrag stammt aus der Medizin+elektronik Nr. 4 vom 20.07.2018.
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