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Häusliche Pflege digitalisieren: Künstliche Intelligenz als Mitbewohner?

Vom Einsatz intelligenter Sprachassistenten in der ambulanten Pflege fehlt bisher noch jede Spur. Dabei muss auch sie mit der Digitalisierung Schritt halten können. Dazu gehört es auch, etablierte Systeme wie Sprachassistenten zu integrieren und Schutzkonzepte für die Gesundheitsdaten zu schaffen.

Bis 2022 soll der Markt für Medizinroboter auf 9,3 Milliarden US-Dollar anwachsen. Bildquelle: © dpa

Roboter in der Pflege (Symbolbild)

Ständig voranschreitende medizinische Versorgung sowie der demografische Wandel führen dazu, dass immer mehr Menschen in hohem Alter auf pflegerische Versorgung angewiesen sind. Das Problem: Einerseits steigt dank der Möglichkeiten moderner Humanmedizin die Lebensdauer und viele möchten im Alter so lange wie möglich selbstständig bleiben, andererseits sinkt die Anzahl an Pflegekräften, die dem steigenden Bedarf gerecht werden und die ambulante Versorgung sicherstellen könnte.

Um die Selbstständigkeit im Alter zu ermöglichen, halten immer mehr Systeme und Technologien in private Wohnräume Einzug. In Form von Sensoren, Bewegungsmeldern oder Notrufsystemen erfahren Senioren bereits Unterstützung und Sicherheit im selbstbestimmten Alltag. Im nächsten Schritt sollten jedoch Anwendungen mit künstlicher Intelligenz hinzugezogen werden, um die smarte Unterstützung weiter voranzutreiben. »Mithilfe von Künstlicher Intelligenz lernen die Systeme, Senioren effektiv zu unterstützen, und erinnern diese beispielsweise selbstständig an die Medikamenteneinnahme«, sagt Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen. Hinzu kommen wichtige Dokumentationen wie zum Beispiel die Bewegungsmuster, sodass Pflegekräfte informiert werden, sollte ein Bewohner innerhalb eines bestimmten Zeitraums nicht nach Hause kommen. Wichtig sei es, das Potenzial bestehender Technologien zu erkennen und diese in alltägliche Abläufe der Pflege miteinzubeziehen. Systeme müssen hierbei offene Schnittstellen und somit Interoperabilität aufweisen, sodass Fachkräfte oder Ärzte bei Bedarf auf die Daten zugreifen können.

»Big Brother« zu Hause?

Damit die Systeme einen echten Mehrwert liefern können, müssen diese viele Informationen sammeln und gegebenenfalls Tagesabläufe der Pflegebedürftigen aufzeichnen. Vor allem mangelnde Auflagen zum Datenschutz der etablierten Systeme und die vermeintliche Angst vor der totalen Überwachung bewirken derzeit noch, dass Technologien wie Sprachassistenten nicht flächendeckend zum Einsatz kommen – hier hat die Branche Nachholbedarf. Mit klaren Regularien, dem fachlichen Know-how sowie der technischen Ausstattung, die Institutionen der Sozialbranche gewährleisten müssen, ließen sich die Daten schützen.

Die Nutzung sollte nur erfolgen, wenn es dem Wohle des Patienten dient. »Es bleibt zu hoffen, dass deutsche Startups sowie etablierte Anbieter die Chance nutzen, um auch in diesem Technologiesegment überzeugende und sichere Produkte auf den Markt zu bringen«, so Glied. Denn Deutschland hinkt hinterher: In anderen Ländern sind intelligente Sprachsysteme zur Unterstützung der Pflege bereits auf dem Vormarsch. Um den Fortschritt zuzulassen, bedarf es nicht nur vonseiten der Institutionen und Einrichtungen ein Umdenken, auch Pflegebedürftige und nahe Angehörige sollten sich dem Thema annehmen und sich auf den digitalen Wandel einlassen. »Hierbei müssen alle Akteure an einem Strang ziehen, nicht zuletzt um den Einzug von etwa Sprachassistenten und die damit einhergehende bessere Versorgung zu ermöglichen.« Denn erst innerhalb der Anwendung würden die Systeme, die auf Künstliche Intelligenz zurückgreifen, den letzten Feinschliff erhalten. (me)