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Digitale Therapie: Neue Hilfe bei Asthma & COPD

Schlüssel im Kampf gegen Atemwegserkrankungen ist die Therapietreue. Die fällt vielen Betroffenen jedoch oft schwer, was nicht nur zu Lasten der Behandlung geht, sondern auch auf Kosten des Gesundheitssystems. Apps und andere digitale Therapieformen könnten das ändern.

Vision Health Bildquelle: © Vision Health

Keine Luft zu bekommen, ist ein Albtraum – für Millionen von Menschen allerdings regelmäßig Realität. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit 600 Millionen Menschen an chronischen Atemwegserkrankungen, jedes Jahr versterben 3,5 Millionen Menschen an den Folgen. 20 Millionen der rund 511 Millionen EU-Bürger kämpfen mit COPD (chronic ob­structive pulmonary disease), 36 Millionen mit Asthma. Jene pneumologischen Erkrankungen verursachen allein in Europa jährlich Kosten in Höhe von 82,3 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Denn allein für Deutschland rechnen Experten der BOLD-Studie (Burden of Obstructive Lung Disease) mit 7,9 Millionen COPD-Patienten im Jahr 2030. Die Atemwegserkrankung, die in der Regel durch Rauchen ausgelöst wird, gehört in den Industrieländern zu den häufigsten Todesursachen.

Die Patienten haben alle Hände voll zu tun, sie zu meistern. Alltägliche Einschränkungen, wie Hustenattacken, Atemnotanfälle und Schlafmangel führen oft zu Leistungseinbrüchen während des Tages und bei Kindern zu Schulproblemen. Zusätzlich noch eine langfristige Therapietreue zu wahren und regelmäßig Arztbesuche wahrzunehmen, stellt für viele eine große Herausforderung dar. Inhalative Therapien können Asthma und auch COPD zwar stabilisieren und die Symptome lindern oder sogar ganz unterdrücken, allerdings sind die so verabreichten Medikamente nach Ansicht von Ärzten häufig ineffektiv. Denn der Inhalationsprozess, der so simpel wirkt, ist in sich sehr fragil. Studien zeigen, dass Patienten wiederholte Schulung brauchen, um die Abläufe mit den einzelnen Inhalationsgeräten zu verinnerlichen. Dafür hat das medizinische Personal in der Praxis jedoch keine Zeit und in einigen Fällen nicht einmal selbst das nötige Fachwissen.

Die immer neuen Geräte-Medikamente-Kombinationen – Generika genauso wie Orginatoren – stellen sowohl Patienten als auch medizinisches Personal vor die Herausforderung, eine komplexe Mischung aus Inhalationsgeräten und unterschiedlichen nominalen Dosen und Wirkstoffkombination zu bedienen. Vielen wird nicht ausreichend erklärt, dass ein Spray vor Gebrauch geschüttelt werden muss ,um eine falsche Dosierung zu vermeiden, weshalb es 40 % der Patienten vergessen. Auch wird oft nicht erklärt – und insbesondere ausreichend trainiert – dass die Koordination zwischen Inhalation und Sprühstoß bestimmt, wie viel Medikament die Lunge erreicht. Sogar einfache Schritte, wie ein dem Sprühstoß vorausgehendes Ausatmen, um ausreichend Luft einatmen zu können, müssen zuerst einmal trainiert werden. Andernfalls wird dies in der alltäglichen Anwendung vergessen, wie es die Praxis zeigt: 50 % der Patienten atmen vor dem Sprühstoß nicht ausreichend aus. Als Resultat der mangelnden Erklärungen und Übungen machen viele Patienten Fehler in der Bedienung und ein Großteil der inhalierten Dosis deponiert nur im Mund und Rachenraum, jedoch nicht in der Lunge. Eine korrekte Inhalation ist für viele jedoch lebenswichtig. Alles was dem Patienten sonst von seinem Medikament bleibt, sind eventuelle Nebenwirkungen während seine Krankheit immer instabiler wird.

Instabiles Asthma oder COPD geht einher mit mehr Arztbesuchen und immer höheren Medikationsdosen. Auch das Verschreiben immer mehr verschiedener Wirkstoffe nimmt zu, und wenn die Krankheit exazerbiert (Verschlimmerung der Symptome), sind Besuche in der Notaufnahme und Krankenhausaufenthalte vorprogrammiert.

Die Gesundheits-App »Kata« fördert die Stabilisierung chronischer Atemwegserkrankungen und Unabhängigkeit der Patienten (© Vision Health)

 

Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten

Eine größere Kontrolle über ihre Therapien geben Erkrankten heutzutage auch mobile Gesundheits-Apps. Ihnen wird ein großes Wachstumspotenzial nachgesagt, denn sie führen auch zu einer breiten Streuung von Gesundheitsdienstleistungen in der Bevölkerung, bieten eine enorme Basis an Vergleichsdaten und entlasten dabei gleichzeitig das Gesundheitssystem. Das sorgt für einen zusätzlichen Wachstumsschub in der Branche. Laut Portfoliomanagern der Schweizer Bellvue Group, ein auf den Gesundheitssektor spezialisierter Asset Manager, zeigt sich der Mehrwert in fortschrittlichen medizinischen Behandlungsmethoden, auch in dringend benötigten Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen. Dank disruptiver Technologien wie beispielsweise Sensoren, Konnektivität oder Cloud Computing brächten Unternehmen heute neue oder verbesserte Produkte und Dienstleistungen auf den Markt – mit positivem Effekt auf die Behandlungsqualität und die Kostenseite.

Der Durchbruch von Digital Health zeige sich unter anderem in Bereichen wie Telemedizin, roboterunterstützter Chirur­gie und Blutzuckerüberwachung. Dies erklärt das rege Interesse von Pharmakonzernen am Digital-Health-Sektor, welches den gesundheitlichen Erkenntnissen gilt, die sich mit den Apps gesammelten Daten ableiten lassen. Daraus lassen sich Rückschlüsse für die Entwicklung neuer Behandlungs­methoden und Medikamente schließen. Aber das ist nur ein Grund für den bevorstehenden Siegeszug der Digitalisierung. Die Vernetzung von Ärzten und Patienten sorgt gleichzeitig für qualitative bessere Versorgung – vor allem bei chronisch Kranken – und zu verringerten Kosten. Patienten müssen weniger zum Arzt vor Ort, sondern können viel mehr digital machen. Durch sie kann Kommunikation beziehungsweise der Datenfluss zwischen Medizinpersonal und Patient erleichtert werden, ohne dass beide Seiten aktiv in Verbindung treten müssen. Der Arzt kann so außerdem den Krankheitsverlauf auch an Tagen sehen, an denen der Patient nicht in die Praxis kommt. An dieser Entwicklung sollten alle ein Interesse haben – die Konsumenten selbst, die Krankenkassen, der Arzt, der Staat und nicht zuletzt die entwickelnden Technologiefirmen.