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Digitalisierung in der Medizin: Die Bevölkerung ist skeptisch

Digitalisierung in der Medizin eröffnet neue Wege und neue Chancen. Die Bevölkerung bewertet diese differenziert. Während sie sich die Nutzung einer elektronischen Patientenakte inzwischen zwar mehrheitlich vorstellen kann, ist sie bei anderen Innovationen eher skeptisch.

Techniklotsen Bildquelle: © Pixabay

Die Studie zeigt: Trotz technischer Weiterentwicklung der Systeme liegt die Vertrauenshoheit beim Arzt.

Sei es die Video-Sprechstunde beim Arzt, die Diagnose-Stellung durch Künstliche Intelligenz (KI) oder der Roboter als Ersatz für Pflegepersonal: Die Menschen sehen darin zwar Chancen, aber deutlich häufiger sehen sie Risiken. Das sind Ergebnisse der aktuellen Continentale-Studie 2019. Die repräsentative Befragung wurde in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Kantar erstellt.

Vertrauen liegt beim Arzt

»Die Studie zeigt sehr deutlich: Die Bevölkerung vertraut in der Medizin grundsätzlich eher dem Menschen«, betont Dr. Christoph Helmich, Vorstandsvorsitzender im Continentale Versicherungsverbund. So akzeptieren 95 Prozent eine Diagnose durch KI entweder gar nicht oder nur, wenn auch der Arzt zusätzlich eine Diagnose stellt. Gründe dafür: Zwar sehen 55 Prozent die Chance einer schnelleren Diagnose-Stellung, aber häufiger noch sehen die Befragten Gefahren durch Datenmissbrauch (70 Prozent) und Fehldiagnosen (68 Prozent).

Auch im OP-Saal vertrauen 62 Prozent eher dem Arzt als einem Roboter. »Selbst in 20 Jahren sieht etwa jeder Dritte sowohl Künstliche Intelligenz als auch Roboter dem Menschen als unterlegen an«, erläutert Dr. Helmich.

Roboter in der Pflege unerwünscht

Roboter in der häuslichen Pflege sehen die Befragten ebenfalls kritisch. Rund drei Viertel bezeichnen sie als Trauerspiel für die Gesellschaft, weil der direkte Kontakt zwischen Menschen verloren ginge. 72 Prozent sehen zudem auch eine Gefahr durch fehlerhafte Technik.

Trotzdem könnten sich 40 Prozent aktuell vorstellen, sich bei Bedarf durch einen Roboter zu Hause unterstützen und versorgen zu lassen. Denn positiv sei zum Beispiel, dass Roboter die Familie entlasten und die Selbstständigkeit des Betroffenen erhöhen (je 52 Prozent).

Keine Angst vor Kollege Roboter

Alexander Steiner, Chief Solution Architect der meta:proc, sieht das anders. Seiner Meinung nach, sollten Patiententen und medizinisches Personal keine Angst vor Kollege Roboter haben. Durch die Entlastung bei wiederkehrenden Tätigkeiten könnten sich Ärzte und Pfleger wieder Aufgaben widmen, die individuelles Urteilsvermögen und Interaktion erfordern. »Sie haben somit mehr persönlichen Kontakt zu Patienten und machen häufig auch weniger Fehler«.

Zukunftspotenzial zeige sich auch in der Medizintechnik: Denn die Versorgung von Patienten findet oftmals nicht mehr im Krankenhaus, sondern in gleicher Qualität zu Hause statt. Dabei produzieren medizintechnische Produkte zur häuslichen Pflege mehr und mehr Daten. Diese stehen zum einen den Pflegediensten zur Überwachung der Patienten und zum anderen den Herstellern für den Service oder die Weiterentwicklung ihrer Produkte zur Verfügung.

Gesundheits-Apps werden überwiegend positiv wahrgenommen

Gesundheits-Apps können zum Beispiel chronisch Erkrankte an die regelmäßige Einnahme von Medikamenten erinnern. Außerdem messen sie Daten wie Puls, Blutdruck oder Zuckerspiegel. Die Bevölkerung sieht hierin in der Abwägung häufiger Vorteile als Nachteile.

Die meisten glauben, dass die App den Alltag von chronisch Erkrankten verbessere, weil sie Aufgaben abnehme (62 Prozent). Außerdem erhöhe sie das Gefühl von Sicherheit (52 Prozent). Andere glauben hingegen, dass die Krankheit durch die ständige Erinnerung der App letztlich mehr Raum einnehme (31 Prozent) und die ständige Datenüberwachung zu Paranoia führe (43 Prozent).

Wearables ändern Nutzer ihr Verhalten positiv

Auch unabhängig von konkreten Krankheiten nutzen aktuell 15 Prozent der Bevölkerung Fitnessarmbänder, Smartwatches oder andere Wearables, um ihre Gesundheitsdaten im Blick zu behalten – doppelt so viel wie vor vier Jahren. Die Mehrheit der Nutzer hat als Folge ihr Verhalten positiv verändert, etwa in Form von mehr Bewegung. Das trifft besonders auf Frauen zu.

Übergreifend gilt aber: Männer sind bei den Digitalisierungs-Themen aufgeschlossener als Frauen. Auch das Alter spielt eine Rolle: Besonders affin gegenüber den neuen Techniken im Medizin-Bereich zeigen sich Menschen zwischen 30 und 39 Jahren.

Hintergründe zur Studie

Für die Continentale-Studie 2019 wurden bundesweit repräsentativ 1.464 Personen ab 18 Jahren befragt. Die komplette Studie sowie vorangegangene Studien stehen kostenlos unter www.continentale.de/studien zur Verfügung.

 

Schlagworte: Studie, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Roboter, Pflege, App, Wearables

Genannte Firmen: Continentale, Kantar

(me)