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Elektronische Gesundheitsakte: Pflegebedürftige Patienten sind die wahren Power-User

Kommentar | Wie können insbesondere pflegebedürftige Patienten von moderner Technik und Verbesserung bei Diagnose und Therapiedurchführungen profitieren? Der Weg aus diesem Dilemma führt interessanterweise ausgerechnet über genau diese – am wenigsten technikaffine Gruppe – im Gesundheitswesen.

9 von 10 Deutschen würden elektronische Gesundheitsakte nutzen Bildquelle: © Vitabook

Die Pflegebedürftigen sind die echten »Power-User« des Gesundheitssystems und Initialzünder für die Vernetzung von Arzt, Pfleger und Apotheker.

Pflegebedürftige Patienten handeln nicht mehr selbst, sondern haben entweder pflegende Angehörige, nehmen das Angebot eines Pflegedienstes in Anspruch oder leben in einem Pflegeheim. Damit kommen völlig andere Wirkmechanismen zum Tragen als bei einzelnen Patienten. Es muss nicht mehr der einzelne Endverbraucher überzeugt werden, eine Gesundheitsakte zu benutzen und mit Inhalt zu befüllen, sondern es können »Pflegeprofis« als Business-Kunden angesprochen werden.

Knapp 1,1 Mio. professionell Pflegende in 15.300 Pflegediensten und 11.550 Pflegeheimen sowie 2,3 Mio. pflegende Angehörige kümmern sich um rund 3,3 Mio. Pflegebedürftige. Dabei entstehen Kontakte mit allen niedergelassenen Ärzten, allen Apotheken, Sanitätshäusern und Kliniken. Die Pflegebedürftigen sind die echten »Power-User« des Gesundheitssystems, denn in den letzten drei Jahren ihres Lebens – also während der Pflegebedürftigkeit – werden etwa so hohe Kosten im Gesundheitssystem verursacht, wie im jeweiligen, gesamten Leben zuvor.

Bis zu 21 Medikamente täglich

Im Durchschnitt wird ein Pflegebedürftiger von vier Ärzten behandelt – einem Hausarzt, einem Kardiologen, einem Urologen beziehungsweise Gynäkologen sowie nicht selten von einem Neurologen und gegebenenfalls weiteren Fachärzten. Dabei werden – wohlgemerkt im Durchschnitt – 6,7 unterschiedliche Medikamente gleichzeitig eingenommen. In der Spitze sind bis zu 21 Medikamente bei einzelnen Patienten identifiziert worden, die diese gleichzeitig verordnet bekommen haben.  Hinzu kommen zwei Stammapotheken, von denen jede Apotheke glaubt, die Einzige zu sein, eine präferierte Klinik, häufig noch eine Reha-Klinik und mindestens eine Krankenkasse.

Der kleinste gemeinsame Nenner aller Pflegedienste und Pflegeheime sind die Software-Hersteller, die die jeweilige Pflegesoftware herstellen und vertreiben. Mit gerade mal 20 Herstellern ist es möglich, rund 80 % aller Pflegedienste und Pflegeheime zu erreichen. Eine weitere Gemeinsamkeit aller Pflegeeinrichtungen ist, dass sie in erheblichem Ausmaß mit der Beschaffung von Rezepten und Medikamenten befasst sind sowie regelmäßig Klinikbesuche ihrer Klienten zu koordinieren haben beziehungsweise Patienten aus Kliniken weiterversorgen, wenn dies nach einer gesundheitlichen Eskalation erforderlich geworden ist.

Initiale Vernetzung aller Akteure

Die Beschaffung von Rezepten und Medikamenten führt dazu, dass allein über die rund 1,5 Mio. in Pflegeheimen beziehungsweise von Pflegediensten betreuten Pflegebedürftigen jeder deutsche Arzt, jede Apotheke und jede Klinik erreicht werden. Die Optimierung dieses Prozesses hat sich auch das Unternehmen Vitabook mit seiner Platfform »ordermed« auf die Fahnen. Diese ermöglicht es Pflegeheimen und Pflegediensten, online bei jedem Arzt Folgerezepte für ihre Patienten zu bestellen und gleichzeitig die dazugehörigen Medikamente in der vom Patienten benannten Apotheke.

Die Besonderheit dabei ist, dass der Pflegebedürftige formal Eigentümer seines Gesundheitskontos ist, das von seiner Pflegeeinrichtung in seinem Namen für ihn angelegt wird. Über dieses Gesundheitskonto können Pflegende Transaktionen wie die Rezept- und Medikamentenbestellung gleichzeitig mit Ärzten und Apotheken abwickeln. Es können aber auch Dokumente und sonstige Verordnungen ausgetauscht werden, es lassen sich Medikationspläne beziehungsweise Überleitungserläuterungen in völlig neuer Form synchronisieren und sektorenübergreifend zwischen Pflege, Klinik und niedergelassenen Ärzten, Apotheken und Sanitätshäusern ausgetauscht werden. Durch diese initiale Vernetzung, ausgelöst durch pflegebedürftige Patienten, werden faktisch alle Ärzte, Kliniken, Apotheken und Pflegeeinrichtungen miteinander vernetzt.

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Autor: Markus Bönig ist Gründer und CEO von Vitabook

Schlagworte: Elektronische Gesundheitsakte, Vernetzung, Pflege, Digitalisierung, Patient

Genannte Firmen: Vitabook

 

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Markus Bönig ist einer der Keynotespeaker der eMEC 2019, die am 14. Novemeber 2019 im ICM München stattfindet. Mehr Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.