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Editorial 1/2018: Digitale Querdenker: Zwischen smarter Vision und bürokratischer Realität

Für ein Digitalministerium hat es auch im Jahr 2018 nicht gereicht. Aber mit Dorothee Bär wird erstmals eine Staatsministerin für Digitales mit am Kabinettstisch sitzen. Und die hat sich vor ihrem ersten Arbeitstag an wichtigen Stellen Freunde gemacht.

Melanie Ehrhardt, Redakteurin Medizin+elektronik Bildquelle: © Weka

Melanie Ehrhardt, Redakteurin Medizin+elektronik

Für ein Digitalministerium hat es auch im Jahr 2018 nicht gereicht. Eher gequält haben Union und SPD in der Endphase ihrer Koalitionsverhandlungen noch das Thema Digitalisierung entdeckt. Das Ergebnis ist für viele eine Enttäuschung: zu viel Regulierung, zu wenig Anreize für private Innovationen. Ein Erfolg für die Digitalwirtschaft ist es trotzdem. Denn mit Dorothee Bär wird erstmals eine Staatsministerin für Digitales mit am Kabinettstisch sitzen. Und diese erntete noch vor ihrem ersten Arbeitstag wegen einer – beiläufigen – Bemerkung zu Flugtaxis Spott und Kritik. Zu Unrecht, denn Politik, Wirtschaft und Wissenschaft stünden mehr digitale Querdenker wie Bär durchaus gut zu Gesicht.

Und während konservative Kritiker sich über Bärs Bemerkung immer noch amüsieren, macht diese sich an andere Stelle bereits Freunde. Ihr Vorstoß sich mehr der Digitalisierung der medizinischen Versorgung zu widmen und die bürokratischen Hindernisse für Start-ups abzubauen, stößt bei den Digitalverbänden auf breite Zustimmung. Zu Recht, trifft sie damit doch genau den Zeitnerv. Schon lange haben junge Gründer die Medizin für sich entdeckt; wollen diese nicht nur einfach verbessern, sondern revolutionieren. Wir möchten einige dieser Köpfe und Ideen vorstellen und präsentieren Ihnen ab sofort in jedem Heft unser Start-up der Ausgabe. Dieses Mal: Ada Health (S. 13).

Die zunehmende Digitalisierung wird auch eines der zentralen Themen der Medtec Europe 2018 sein.  Dabei zeigt sich, Smart Health ist mehr als ein Schlagwort. Es ist die Idee einer vernetzten, intelligenten und personalisierbaren Medizin, von der alle Akteure im Gesundheitswesen gleichermaßen profitieren. Der Markt ist längst nicht mehr nur für klassische Hersteller von Medizinprodukten attraktiv, sondern ruft auch andere Akteure auf den Plan. Konkurrenten oder Partner? Das zeigt sich vom 17. bis zum 19. April in Stuttgart (S. 14).

Die digitale Transformation der Medizin hat gerade erst begonnen und schon heute zeichnet sich ein Gewinner deutlich ab: das Touchscreen. Kaum ein medizinisches Gerät – so scheint es – kommt ohne aus. Das liegt nicht zuletzt an der intuitiven Bedienung, die offenbar an frühste motorisch-kognitive Vorgänge anknüpft. Und dennoch wird der Mensch auch weiterhin im Laufe seines Lebens das Drücken von Tasten, Hebeln und Schaltern erlernen müssen. Denn trotz aller Vorteile von Touchscreens haben klassische elektromechanische Bedienelemente noch lange nicht ausgedient (S. 40).