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Diagnose vor den ersten Symptomen: Gehirnscanner erkennt Demenz früher

Sie sind knapp 30 und dabei, die Diagnose von Alzheimer zu verbessern: Max Ahnen und Jannis Fischer, ETH-Teilchenphysiker, entwickeln derzeit einen PET-Gehirnscanner, der günstiger und kleiner ist als herkömmliche Geräte. Dafür würdigte sie Forbes auf seiner »30 Under 30 Europe«-Liste.

Jannis Fischer (l.) und Max Ahnen mit einem einfachen Modell des Kopfteils ihres BPET-Scanners. Bildquelle: © ETH Zürich/F. Bachmann

Jannis Fischer (l.) und Max Ahnen mit einem einfachen Modell des Kopfteils ihres BPET-Scanners.

Die Positronen-Emissions-Tomographie, kurz PET genannt, ist ein bildgebendes Verfahren in der Nuklearmedizin. Es wird zur Erkennung vor allem von Krebs, aber auch von Nerven- und Herzkrankheiten eingesetzt. Dazu wird dem Patienten eine schwach radioaktive Substanz in die Armvene gespritzt. Die Art und der Ort, wo sich die Substanz im Gewebe anreichert, verarbeitet der PET-Scanner zu einem Bild. Dieses gibt Auskunft darüber, welche Funktionen das entsprechende Körperteil ausübt. PET-Scanner können helfen, gewisse Nervenkrankheiten zehn bis zwanzig Jahre früher aufzudecken ehe ein Arzt anhand konkreter Symptome eine Diagnose stellen kann. Problem: Heutige Geräte sind groß und teuer; ein herkömmliches Gerät braucht mindestens 15 Quadratmeter Platz und kostet zwischen 1,5 und 5,5 Millionen Franken.

Max Ahnen (29) und Jannis Fischer (30) arbeiten am Institut für Teilchen- und Astrophysik der ETH Zürich daran, diese Situation zu verändern. Den Anstoß dazu gaben Forschende und Ärzte der Universität Zürich und des Universitätsspitals Zürich. Ihre Erfindung heißt provisorisch Brain PET (BPET) und dient der Erkennung von Krankheiten des Gehirns. Dazu gehören Gehirntumore und Erkrankungen des Nervensystems wie Amyotrophe Lateralsklerose, Parkinson oder Alzheimer, die zu Demenz führen. BPET soll nur ein Zehntel so viel kosten wie heutige Geräte. Zudem soll der Scanner weniger als zwei Quadratmeter messen. »Er ähnelt einem Coiffeurstuhl mit Trockenhaube«, sagt Ahnen. Die Größe mache ihn viel mobiler als herkömmliche Geräte. Dadurch könnten ihn Ärzte auch an Orten abseits von großen Krankenhäusern einsetzen, etwa in kleinen Kliniken in Südamerika, Asien oder Afrika.

Nicht nur das Gerät, sondern auch dessen Anwendung wird mit Brain PET billiger. Denn je öfter das Verfahren zum Einsatz kommt, desto weniger kosten die radioaktiven Hilfsmittel. Heute gehört die Untersuchung zu den teuersten bildgebenden Verfahren in der modernen Medizin. Das können sich viele Spitäler nicht leisten. »Wir werden viel breitere Bevölkerungsgruppen erreichen können als bisher«, so Fischer. Das würde den Betroffenen helfen, aber auch deren Angehörigen.

Explosionsschema des BPET-Scanners. Bildquelle: © ETH Zürich/M. Ahnen, J Gischer

Explosionsschema des BPET-Scanners.