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Start-up des Monats: FibriCheck: Herzcheck per Smartphone

Anfang Februar startete der von Roche unterstützte Digital Health Accelerator. Mit dabei ist auch FibriCheck aus Belgien. Das Start-up hat die erste Lösung für das digitale Monitoring bei Herzrhythmusstörungen entwickelt, die ganz ohne medizinische Hardware auskommt.

v.l.n.r.: Lars Grieten (CEO), Kobe Lysen (CTO), Jo Van der Auwera (Customer Relationships) und Bieke Van Gorp (CTO) Bildquelle: © FibriCheck

v.l.n.r.: Lars Grieten (CEO), Kobe Lysen (CTO), Jo Van der Auwera (Customer Relationships) und Bieke Van Gorp (COO)

Junge Gründer, große Ideen – Start-ups trauen sich das, wovor große Unternehmen oft Angst haben. Sie machen einfach. Von der Diabetes-App über intelligente Prothesen bis hin zu Pflegerobotern: Kein Vorhaben scheint zu groß oder gar abwegig.

Unternehmergeist ist nicht nur löblich, sondern gerade in der Medizintechnik nötig. Hier sind Start-ups keine Konkurrenten von Unternehmern und Ärzten, sie sind ihre Partner. Wir möchten einige dieser Köpfe und ihre Ideen genauer vorstellen. Dieses Mal: FibriCHeck (Qompium). Das Start-up aus Hasselt (Belgien) will durch die Dezentralisierung des Diagnosesprozesses bei Herzrhythmussstörungen einen besseren Zugang zu einer effektiven Gesundheitsversorgung ermöglichen.

Wie lautet euer Elevator Pitch?
Wir verwenden die eingebauten photoplethysmographischen (PPG) Sensoren, die üblicherweise in Smartphones und Smartwatches verwendet werden, um den Herzrhythmus des Anwenders zu messen. Mit Hilfe von medizinisch zertifizierten (CE-Klasse IIa / FDA beantragt), patentierten Algorithmen und einem tiefen neuronalen Netzwerk, das auf künstlicher Intelligenz basiert, erkennt FibriCheck Vorhofflimmern (AFib) und andere potentiell lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
FibriCheck startete als Masterarbeit der Mobile Health Unit, einer Kooperation zwischen der Universität Hasselt und den großen Krankenhäusern der Region. Innerhalb der Mobile Health Unit wuchs die Überzeugung, dass die gegenwärtige mobile Technologie das Potenzial hat, Engpässe im Gesundheitswesen zu verbessern: durch Steigerung der Effizienz und des Patienten-Involvements beim persönlichen Gesundheitsmanagement. Was als Masterarbeit unter der Leitung von Lars Grieten, dem heutigen Geschäftsführer, und der Kardiologieabteilung begann, entwickelte sich zu einer Was als Masterarbeit unter der Leitung von Lars Grieten, dem heutigen Geschäftsführer, und der Kardiologieabteilung begann, entwickelte sich zu einer echten Geschäftsidee. Im August 2014 wurde Qompium NV gegründet und die Reise von FibriCheck, dem ersten Produkt, konnte offiziell beginnen. 

Was war euer größter Erfolg?
Die medizinische Zertifizierung (CE-Klasse IIa) unserer App war ein großer Erfolg. Die erste App auf Rezept, die neben der Kostenerstattung auch über alternative Geschäftsmodelle erhältlich ist. Am Weltherztag (29. September 2017) haben wir uns mit einer lokalen Zeitung zusammengetan, die den FibriCheck-Zugangscode veröffentlicht hat. Über diesen war für sieben Tage ein kostenloser Zugriff auf die FibriCheck-Anwendung möglich. Über 12.300 Personen (Durchschnittsalter 50 Jahre) scannten den Zugangscode und führten innerhalb der sieben Tage insgesamt über 122.000 FibriCheck-Messungen durch. Ein weiterer Erfolg ist die Entwicklung der FibriWatch, die kontinuierliches Monitoring am Handgelenk ermöglicht.

Und der größte Rückschlag?
Die Schwierigkeiten liegen vor allem in der Umsetzung innovativer Lösungen im stark regulierten Gesundheitswesen. Es erfordert viel Kreativität und Geduld, aber wir sind zuversichtlich, dass alternative Modelle gefunden werden können.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?
Aus Produktperspektive wollen wir unsere Lösungen zur Kontrolle und zum kontinuierlichen Monitoring in die Wertschöpfungskette wichtiger Stakeholder im Gesundheitswesen mit zwei Hauptzielen implementieren: die Identifizierung des »unbekannten Patienten« sowie die Nachsorge des behandelten Patienten. Aus Unternehmenssicht haben wir mit unserer medizinisch zertifizierten und skalierbaren Infrastruktur einen erheblichen Mehrwert geschaffen. Andere Unternehmen, die in den Bereich Digital Health vorstoßen wollen, können diese Infrastruktur nutzen, um geringere Kosten für die Produktentwicklung und eine schnellere Markteinführung zu erzielen.  

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?
Das Gesundheitswesen der Zukunft wird allgegenwärtige Sensortechnologien einsetzen, um objektive und subjektive Parameter zu überwachen und nahtlos in die Infrastruktur des Gesundheitswesens zu integrieren. Dies befähigt die personalisierte Medizin dazu, ganz individuell auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen. Mit den entsprechenden Daten können Patienten darin gestärkt werden von einer reaktiven zu einer proaktiven, präventiven Gesundheitsversorgung überzugehen und dabei effiziente Begleitung durch medizinisches Fachpersonal erhalten.

Fakten zum Start-up:
Anzahl der Kunden: 30.000
Gründung: 2014
Mitarbeiter: 12
Finanzierung: 2.000.000 – 5.000.000 €

FibriCheck ist Teil des von Roche initiierten und unterstützten Digital Health Accelerator.

Im Selbstversuch: COO Bieke Van Gorp zeigt, wie die Messung via Smartphone funktioniert. Bildquelle: © FibriCheck

Im Selbstversuch: COO Bieke Van Gorp zeigt, wie die Messung via Smartphone funktioniert.