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Katheterablation: Wenn das Herz rast

Die Katheterablation ist seit über 30 Jahren eine etablierte Behandlungsmethode von tachykarden Herzrhythmusstörungen. Zunehmend sind jedoch komplexere Arrhythmien im Fokus des Interesses. Hier werden hohe Ansprüche an die Ärzte, aber auch an die zur Verfügung stehende Technik gestellt.

Abbott Bildquelle: © Abbott

Kardialer Ablationskatheter für die Behandlung von Vorhofflimmern.

Rund drei Milliarden Mal schlägt das Herz im Laufe eines Menschenlebens und pumpt dabei etwa 250 Millionen Liter Blut durch den Körper – eine unglaubliche Leistung, mit der kein anderer Motor so schnell mithalten kann. Wie auch bei anderen Motoren kommt es auch beim Herzen jedoch manchmal zu Fehlern – es gerät ins Stocken oder schlägt deutlich zu schnell. Bei einer Herzfrequenz von über 100 Schlägen pro Minute sprechen Mediziner von einer tachykarden Herzrhythmusstörung (Herzrasen). Kann diese nicht mehr mit Medikamenten behandelt werden, ist die Katheterablation gefragt.

Dafür werden zunächst im Rahmen einer elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) Elektrodenkatheter über Gefäße zum Herzen geführt und dort an bestimmten anatomischen Stellen positioniert. Mittels Stimulationsmanöver kann der Arzt den Tachykardie-Mechanismus analysieren und dann durch ein Mapping den Ursprungsort der Rhythmusstörung lokalisieren. Erst danach kommt die Katheterablation zum Einsatz. Ihr Ziel: die Ursache bzw. den Ursprungsort der Rhythmusstörung zu beseitigen. In der Regel wird mittels Hochfrequenzstrom (Hochfrequenzstromablation) an der Katheterspitze das Ziel­gewebe erhitzt, denaturiert und anschließend vernarbt (Bild 1).

Einflussfaktoren

Zum Einsatz kommen dabei temperaturgesteuerte Generatoren: Ein in der Katheterspitze eingebauter Thermistor misst die dortige Temperatur und steuert die Leistungsabgabe entsprechend eines vorher eingestellten Temperaturlimits. Die erzielte Temperatur im Gewebe und damit die Größe bzw. Tiefe der Läsion hängen unter anderem von der am Generator eingestellten maximalen Leistung, des voreingestellten Temperaturlimits, der Größe der Elektrodenspitze, der Kühlung der Elektrode durch den Blutfluss oder durch Spülung mit einer Infusionsflüssigkeit bei speziellen Kathetern sowie der Zeitdauer der Energieabgabe ab. Die Faktoren lassen sich durch die Auswahl des Kathetertyps und der Einstellung am Ablationsgenerator relativ einfach beeinflussen. Trotz optimaler technischer Voraussetzungen bzw. Einstellungen sind es jedoch andere Faktoren – vor allem die Lagestabilität und der Kontakt bzw. Anpressdruck der Katheterspitze mit dem Gewebe – die über die Qualität der erreichten Gewebeläsion entscheiden.

Nur erreichte Temperaturen über 45 bis 50 °C führen zu einer dauerhaften Läsion mit Funktionsverlust, Temperaturen unter 45 °C nur zu einem passageren Funktionsverlust bzw. von über 80 °C zu einer Überhitzung mit Gewebekoa­gulation an der Katheterspitze, Elektrodenkarbonisierung und der Gefahr eines Barotraumas mit Perforation.

Verwendet wird Wechselstrom mit einer Frequenz um 500 kHz (300 – 750 kHz). Der Stromfluss zwischen der Katheterspitze und einer oder zwei großflächigen Hautelektroden gestaltet sich derart, dass eine relevante Stromdichte nur in unmittelbarer (Kontakt-)Nähe der Katheterspitze entsteht. Das führt zu einer lokalen Erhitzung des Gewebes mit resultierender Koagula­tionsnekrose, wenn Temperaturen von über 45 °C erreicht werden. Der Durchmesser solcher Gewebeläsionen beträgt bis zu 5 mm, die Tiefe 2 bis 3 mm.
 

Abbott Bildquelle: © Abbott

Bild 1. Prinzip der Katheterablation: Sind die elektrischen Störherde im Herzmuskel identifiziert, führt der Arzt einen Ablations-Katheter punktgenau an die betreffenden Bezirke der Herzwand heran. Die abnormen Erregungsherde werden mit Hochfrequenzstrom schmerzlos auf etwa 45 bis 55 Grad erhitzt und verödet.