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Start-up des Monats: Northh Medical: Blick in das fetale Herz

Junge Gründer, große Ideen – Start-ups sind auch für die Medizin zu wichtigen Innovatoren geworden. Wir möchten einige dieser Köpfe genauer vorstellen. Dieses Mal: »Northh Medical«. Das Start-up aus Hamburg hat ein MRT-taugliches Ultraschallgerät für die Pränataldiagnostik entwickelt.

Northh Medical Bildquelle: © Northh Medical

Das Entwicklerteam (4 Ingenieure) wird durch Gynäkologen, Radiologen und Kardiologen unterstützt.

Wie lautet euer Elevator Pitch?

Bei schweren angeborenen Herzfehlern muss vor der Geburt entschieden werden, wo das Kind geboren und wo es behandelt werden soll. Diese Entscheidung ist sehr kritisch, leider ist die Herzbildgebung mit Ultraschall vor allem in den letzten Schwangerschaftswochen limitiert und bei bis zu 30% nicht korrekt. Dadurch kommt es regelmäßig zu Fehlentscheidungen, die eine unnötige Operation nach sich ziehen. Durch unser Gerät kann der Herzschlag des Föten mit dem MRT synchronisiert werden und ermöglicht somit die fetale Herzbildgebung im MRT ohne Artefakte und in hoher Bildqualität.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Während der Habilitation von Dr. Jin Yamamura ist uns aufgefallen, dass es bis heute keine Möglichkeit der fetalen Herzbildgebung im MRT gibt. Die kardiovaskuläre MRT-Bildgebung muss mit dem Herzschlag synchronisiert werden, um Bewegungsartefakte zu vermeiden. Bei Erwachsenen wird dafür ein Elektrokardiogramm verwendet. Dies kann – anders als unser Gerät – aufgrund der intrauterinen Lage nicht bei Föten angewendet werden.

Was war euer größter Erfolg?

Unser größter Erfolg ist die Auslieferung von Prototypen an unsere Partner, die Universitätskliniken in Hamburg, Lund, Boston und Wien. Der schönste Moment war als einer unserer Partner anrief und uns erzählte, dass er mit Hilfe unserer Bildgebung die Diagnose eines schweren Herzfehlers auf normal ändern konnte. Das Kind ist heute kerngesund und die Mutter war direkt nach der MRT-Untersuchung sehr erleichtert.

Und der größte Rückschlag?

Den größten Rückschlag erlebten wir während unserer ersten Reise mit einem frühen Prototyp nach Boston. Leider war der Prototyp noch nicht transportfähig und noch nicht ausgereift genug. Wir mussten das Gerät nach ersten erfolglosen Messungen im einem Forschungslabor des MIT reparieren. Zum Abschluss unsere Reise konnten wir dann doch noch zwei erfolgreiche fetale MRT-Herzuntersuchungen durchführen.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Wir wollen innerhalb der nächsten fünf Jahre jedem europäischen und amerikanischen Krankenhaus die fetale Herzbildgebung im MRT ermöglichen. Mit Hilfe dieser zusätzlichen Bildgebung wird die exakte Diagnose von schweren Herzfehlern möglich und unnötige Operationen entfallen.

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?

In der zukünftigen pränatalen Vorsorge wird die MRT-Bildgebung eine große Rolle spielen. Das gilt vor allem bei Komplikationen und Unsicherheiten während der Diagnose. 

Fakten zum Start-up:
Anzahl der Kunden: 4
Gründung: Juni 2017
Mitarbeiter: 3
Finanzierung: Auf der Suche nach Investoren

Northh Medical
northh.de

 

Zuerst gesehen: Dieser Beitrag stammt aus der Medizin+elektronik Nr. 2 vom 07.05.2018.
Hier geht’s zur vollständigen Ausgabe.


 

Northh Medical Bildquelle: © Northh Medical

Mit dem MRT-tauglichen Ultraschallgerät sind auch vom fetalen Herzen hochauflösende Bilder möglich.