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Start-up des Monats: Humotion: Mit High-Tech zum perfekten Gang

Junge Gründer, große Ideen – Start-ups sind auch für die Medizin zu wichtigen Innovatoren geworden. Wir möchten einige dieser Köpfe und ihre Ideen genauer vorstellen. Dieses Mal »Humotion«. Das Unternehmen aus Münster befasst sich mit der intelligenten Verlaufskontrolle von Physiotherapien.

Humotion-Team (v.l.n.r.): Hasnain Syed (R&D), Rolf Diermann (R&D), Cor van Essen (R&D), Christian Henseler (RA) und Johannes Rosenmöller (CEO). Bildquelle: © Humotion

Humotion-Team (v.l.n.r.): Hasnain Syed (R&D), Rolf Diermann (R&D), Cor van Essen (R&D), Christian Henseler (RA) und Johannes Rosenmöller (CEO).

Wie lautet euer Elevator Pitch?

SmartVia Assessments digitalisiert und standardisiert die Verlaufskontrolle von Behandlungen in Therapie und Medizin. Anhand von Tests können Ärzte und Thera­peuten beurteilen, ob Behandlungen zum Beispiel in der Reha erfolgreich sind. Humotion hat ein Wearable entwickelt, das der Patient während der Durchführung solcher Tests trägt. So können wir objektive Parameter wie Gangregularität, Gangsymmetrie und Geschwindigkeit ermitteln. Diese werden herangezogen, um Aussagen über die Bewegung des Patienten treffen zu können. Eine Übersicht über die Testergebnisse hält der Therapeut in wenigen Minuten in Form eines Reports in der Hand, wahlweise digital oder ausgedruckt.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Durch die Nachfrage aus dem Markt. Ärzte und Therapeuten haben uns darauf hingewiesen, dass unsere mobilen Moni­toring-Systeme, die wir für Leistungssportler entwickeln, auch in der medizinischen und therapeutischen Praxis gebraucht werden. In der Praxis beruht die Verlaufskontrolle einer Behandlung häufig auf individuellen Beobachtungen. Ob eine Behandlung erfolgreich verläuft oder nicht, muss sich der Mitarbeiter merken. Bei bis zu 20 Patienten am Tag kommen viele Informationen zusammen! Wenn der Verlauf dokumentiert wird, dann häufig nur mit Stift und Papier und ohne einheitliches Vorgehen. Das führt zu Informationsverlusten und Missverständnissen in der Übergabekommunikation zwischen Therapeut, Arzt und Patient.

Was war euer größter Erfolg?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es ohne Kooperationspartner aus der Praxis beinahe unmöglich ist, einen Marktzugang im Gesundheitswesen zu finden. Nicht nur aus normativen Gründen brauchen wir den Input von Praktikern, um im Markt akzeptiert zu werden. Deshalb sehen wir die Kooperation mit Inoges als unseren größten Erfolg. Das ist ein großer Klinikverbund mit 30 Standorten von Münster bis München, mit dem Fokus in der stationären und ambulanten medizinischen Rehabilitation. Die einzelnen Kliniken und Reha-Zentren des Verbundes sind potenzielle Kunden.

Und der größte Rückschlag?

Wie wohl viele Medizinprodukthersteller kämpfen wir mit dem regulativen Dschungel der europäischen Gesetz­gebung. Besonders als kleines Unternehmen ist das eine enorme Herausforderung und erfordert viel Zeit, Geld und Geduld. Wir planen den Markeintritt mit SmartVia Assessments noch in 2018.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

In fünf Jahren wollen wir der führende Dienstleister für mobile Monitoring-Systeme im Gesundheitsbereich sein. Zunächst wird SmartVia Assessments in Kliniken und Reha-Zentren eingesetzt, der Fokus liegt dabei auf Patienten mit orthopädischen, geriatrischen oder neurologischen Krankheitsbildern. Darüber hinaus sehen wir aber große Potenziale für solche Systeme in vertrauten häuslichen Umgebungen, in denen der Pati­ent dann eigenständig Langzeitdaten aufzeichnen kann.

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?

Technologien wie Mustererkennung, vernetzte Systeme oder die digitale Patientenakte führen zu einer Revolution, von der alle Akteure im Gesundheitswesen profitieren. Patienten werden zukünftig ihren eigenen Gesundheitszustand besser verstehen und den Behandlungsverlauf aktiv mitgestalten. Der Austausch zwischen Fachpersonal aus verschiedenen Bereichen, Patienten und Angehörigen kann durch besseres Datenmanagement verlustfreier gestaltet werden. Gleichzeitig können Krankenkassen als Ergebnis der Digitalisierung ihre Ressourcen effektiver und effizienter einsetzen.

Fakten zum Start-up:
Anzahl der Kunden: Derzeit warten vier große ambulante Reha-Zentren und Klinikabteilungen von Salvea auf die ersten SmartVia-Assessments-Systeme. Mit vielen weiteren führen wir Gespräche.
Gründung: 2008
Mitarbeiter: 14
Finanzierung: Die Humotion HmbH ist privat finanziert. Das Projekt SmartVia Assessments wird durch einen strategischen Investor aus dem Gesundheitswesen finanziert.

Humotion 
www.humotion.net

Zuerst gesehen
Dieser Beitrag stammt aus der Medizin+elektronik Nr. 6 vom 02.11.2018. Hier geht’s zur vollständigen Ausgabe.