Sie sind hier: HomeRubrikenMesstechnik / Sensorik

News, Produkte, Fachartikel zu Embedded-Systemen: Echtzeitbetriebssysteme, Computer-Boards/Systeme, Erweiterungskarten, Entwicklungstools

Apple Watch bei Herzproblemen: »Die Uhr ersetzt keinen Arzt«

Die Apple Watch 4 kann mit ihrer EKG-Funktion Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern früh erkennen. Doch auch wenn erste Studien die Verlässlichkeit des Gerätes stützen, birgt die Interpretation der Messergebnisse Risiken, warnt zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

Vitalwerte wie Blutdruck und Puls lassen sich direkt am Körper immer noch am besten messen. Bildquelle: © Pixabay

Kardiologen veröffentlichen erste Einschätzung zurEKG-Funktion der Apple Watch 4

Eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen ist das Vorhofflimmern. Es kann auf das Vorliegen einer Herzerkrankung hindeuten und mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle einhergehen. Das frühzeitige Erkennen von Vorhofflimmern ist somit ausschlaggebend für eine positive Prognose der Patienten. Die Apple Watch 4 beinhaltet einen kardialen Monitor, der dazu dient, unregelmäßigen Herzschlag zu erkennen. Dafür befinden sich auf der Rückseite der SmartWatch ein optischer Pulssensorund ein elektrischer Sensor, die von einer Elektrode in der Krone ergänzt werden. Mit einer speziellen EKG-App kann die Apple Watch 4 damitein 1-Kanal-EKG durch einfaches Fingerauflegen aufzeichnen. Seit kurzem ist diese Funktion auch in 19 europäischen Ländern, darunter Deutschland, zugelassen.

»Ziel dieser durch die American Heart Association unterstützten Apps,« erklärt Professor Dr. med. Thomas Deneke, Sprecher der Arbeitsgruppe Rhythmologie der DGK sowie Chefarzt der Klinik für interventionelle Elektrophysiologie der Herz-und Gefäß-Klinik in Bad Neustadt, »ist es, frühzeitig einen unregelmäßigen Herzrhythmus zu erkennen, der auf Vorhofflimmern hindeutet und eine weiterführende ärztliche Abklärung einzuleiten.«  Die Apple Watch 4 könne somit ein wertvolles Monitoring-Tool zur Etablierung wichtiger Informationen für Patienten und deren Ärzte darstellen. 

Voruntersuchungen zeigen tatsächlich, dass eine 95%-ige Übereinstimmung mit von der Smart Watch detektiertem Vorhofflimmern und klinisch dokumentiertem Vorhofflimmern besteht. Die Apple HeartStudy, eine Kooperation zwischen Apple und Stanford Medicine,entwickeltderzeiteine Strategie der EKG-Diagnostik (inklusive Evaluation mittels 7-Tage-Langzeit-EKG) basierend auf einer durch die Uhr detektierten unregelmäßigen Herzfrequenz..

Folgestudien notwendig

Prof. Dr. Peter Radke, Vorsitzender des Ausschusses Electronic & Mobile Health der DGK,von der Schön Klinik in Neustadt sieht eine zwingende Notwendigkeit weiterer Studien zu dem Gerät: »Die Apple Watch 4 erweitert ihr Leistungsspektrum stetig von Fitnessapplikationen hin zu medizinischen Fragestellungen, wie aktuell der Detektion von Vorhofflimmern.« Bevor auf dieser Datenbasis konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden können, beispielsweise die Einleitung einer Antikoagulation bei asymptomatischen Patienten mit einem in der Apple Watch 4 detektierten Vorhofflimmern, seien  noch umfangreiche klinische Folgestudien notwendig. »Die Zulassung durch die Amerikanische Zulassungsbehörde für Medizinprodukte zeigt die zunehmende Relevanz dieser Technologien zum Monitoring gesundheitsrelevanter Informationen. Dennoch weist die Behördein explizit darauf hin, dass die Ergebnisse der EKG-App in jedem Fall von einem Arzt abgeklärt werden müssen.« Deneke folgt dieser Einschätzung: »Die Apple Watch sollte nicht als Ersatz für einen Besuch beim Arzt verwendet werden, sondern kann vielmehr helfen, relevante Herzrhythmusdaten aufzuzeichnen und einen betreuenden Arzt in der Diagnostik zu unterstützen.« (me)