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Compamed Innovationsforum 2019: Ohne Sensoren funktioniert Digitalisierung nicht

Das Compamed Innovationsforum, das traditionell einige Monate vor der Messe statt findet, bringt jedes Jahr ntwickler, Hersteller und Anwender an einen Tisch. Dabei zeigen sich nicht nur neue Trends, sondern auch Herausforderungen, die es gilt, zu meistern.

Neue Materialien, innovative Verfahren und der kombinierte Einsatz von Elektronik und Mikrosystemtechnik sind nicht nur typisch für moderne Implantate, sondern grundsätzliche Leitthemen der Compamed (12. – 15. November 2018) in Düsseldorf. Bildquelle: © Messe Düsseldorf

Neue Materialien, innovative Verfahren und der kombinierte Einsatz von Elektronik und Mikrosystemtechnik sind nicht nur typisch für moderne Implantate, sondern grundsätzliche Leitthemen der Compamed (18. – 21. November 2019) in Düsseldorf.

»Medizinprodukte müssen besser werden. Sie sind häufig nicht ausreichend kompakt, nicht flexibel genug, nicht sinnvoll in den Betriebsablauf auf den Stationen zu integrieren«, schrieb kürzlich ein auf die Entwicklung von Medizintechnik fokussiertes Fachmagazin zum Konflikt zwischen Herstellern und Anwendern. Die Mängelliste der Anwender von Medizintechnik ist offenbar lang. Genau dieser Herausforderung, den Dialog zwischen Herstellern, Entwicklern und den Abnehmern von medizintechnischen Systemen und Produkten voranzutreiben, widmete sich das diesjährige Compamed Innovationsforum. Das traditionelle Forum gibt stets mit ein paar Monaten Vorlauf einen ersten Ausblick auf Themen und Trends der international führenden Fachmesse für die Zulieferer der Medizintechnik-Industrie, die Compamed in Düsseldorf (Termin 2019: 18. – 21. November, parallel zur Medica 2019). Es wird gemeinsam organisiert von der Messe Düsseldorf und dem IVAM Fachverband für Mikrotechnik. Gastgeber für das Forum, das unter dem Motto »Praxis meets Technology - Hightech in Krankenhäusern« stand, war am 10. Juli das Helios Klinikum Krefeld.

Im Helios-Verbund zählt dieses Klinikum als Einrichtung der Maximalversorgung mit über 30 Fachabteilungen zu den großen Häusern. Es verfügt über 2.350 Mitarbeiter, die in 1.100 Betten 60.000 Patienten stationär und 120.000 Patienten zusätzlich ambulant pro Jahr versorgen. »Schon erste einleitende Diskussionen des Forums haben gezeigt, dass insbesondere Hightech-Medizintechnik viel zu oft am realen Bedarf des Fachpersonals vorbeientwickelt wird«, erklärt Dr. Thomas R. Dietrich, Geschäftsführer des IVAM.

Sensoren gebührt eine Schlüsselrolle

Voraussetzung für viele neue Entwicklungen in der Medizintechnik und auch für die Digitalisierung des Gesundheitswesens sind Sensoren, die bei der Compamed schon seit langem eine wichtige Rolle spielen und in der zweiten Session des Innovationsforums in Krefeld intensiv thematisiert wurden.

So hat das Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique (CSEM) ein optisches Verfahren zur kontinuierlichen, zuverlässigen Kontrolle des Blutdrucks entwickelt. Erhöhter Blutdruck betrifft ein Drittel der älteren Bevölkerung und kann zu schweren Komplikationen wie beispielsweise Schlaganfall oder Herzinsuffizienz führen. Nach zehnjähriger Forschungsarbeit und fünfjähriger klinischen Erprobung bietet das CSEM unter der Marke »oBPM« (Optical Blood Pressure Monitoring) ein tragbares Messgerät ohne Manschette an, das den Blutdruck im Ruhe- oder Bewegungszustand misst. Die Messmethode beruht auf der physiologischen Analyse der am Finger gemessenen photoplethyschen Signale (PPG-Signale). Diese Signale werden mit einem handelsüblichen Pulsoximeter aufgezeichnet.

Einen ersten experimentellen Nachweis für die kontinuierliche Überwachung des Blutdrucks mittels optischer Signale erfolgte während einer klinischen Studie am Universitätsspital in Lausanne. Die Anwendung ist mit Hilfe eines handelsüblichen Smartphones und einer entsprechenden App möglich, wobei das Licht der Handy-Kamera zum Einsatz kommt. »Inzwischen haben wir das Startup Aktiia gegründet, um die oBPM-Technologie zu nutzen und ein Armband zu vermarkten, das die Daten sammelt und an ein Smartphone überträgt«, erläutert Dr. Alexander Steinecker, Business Development Manager am CSEM.

Einwegsensoren für intelligente Wundauflagen

Die Anforderungen an Sensoren steigen ständig, nach Überzeugung der InnoME müssen sie dünn, flexibel und formbar, einfach zu integrieren und körpernah einsetzbar sein. »Konventionelle Sensorik ist für medizinische Anwendungen nur begrenzt geeignet, weil sie nicht wirtschaftlich ist, keine Designfreiheit bietet sowie eine mangelhafte Umweltverträglichkeit und unzureichende Integrierbarkeit aufweist. Unsere Antwort auf diese Unzulänglichkeiten sind folienbasierte, gedruckte und/ oder hybride Sensoren«, betont Eike Kottkamp, Geschäftsführer der InnoME.

Das Unternehmen bietet Einwegsensoren in Massenproduktion oder für einzelne Produkte an. Die meisten werden im Siebdruck hergestellt, alternativ sind Rolle-zu-Rolle-Verfahren möglich. Bei Stückzahlen von einer Million sind Preise im Bereich 12 Cent realisierbar. Anwendungen sind intelligente Druckverbände und Wundauflagen, die eine Wundüberwachung ohne Verbandöffnung zulassen, oder Abfall-Beutel für Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin, Schweiß und Dialysat, die eine In-vitro-Überwachung des Patienten erlauben. Als Messgrößen kommen unter anderem. der pH-Wert, Leitfähigkeit und Temperatur in Frage.

Auch das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS) forscht und entwickelt im Bereich der Sensorik für die Medizintechnik. »Unser Markenkern sind CMOS-Schaltungen, die wir zu Mikrosystemen erweitern«, beschreibt Michael Görtz vom IMS. In der Medizintechnik ist das Messen von Druck im Blut, im Hirn oder im Auge besonders relevant. Schnell, einfach und unkompliziert ist das Sensorsystem Eyemate, das gemeinsam vom IMS und Implandata Ophthalmic Products entwickelt wurde und die Augeninnendruckmessung verbessert. In Zukunft soll es Glaukom-Patienten das Leben erleichtern.

Ein ins Auge implantierter Sensor misst dabei den Druck sowie die Temperatur. Die Werte werden mit einem Handlesegerät, das der Patient einfach vor sein Auge hält, erfasst, digitalisiert und wiedergegeben. Innerhalb von Sekunden lassen sich so zu jeder Zeit berührungslos Druck und Temperatur im Auge genau messen. Die behandelnden Ärzte erhalten dadurch eine um ein Vielfaches höhere Datenbasis zum Erstellen der richtigen Therapie. Darüber hinaus haben Betroffene die Möglichkeit, über eine Smartphone-App direkt auf die Daten zuzugreifen, den Verlauf des Augeninnendrucks selbst zu verfolgen und gegebenenfalls zu reagieren, wenn ein zu hoher Druck vorliegt. Je häufiger der Patient das Lesegerät benutzt, desto aussagekräftiger sind die Messwerte und desto individueller kann die Therapie abgestimmt werden.

Neue Lösungen für Hausnotruf und Raumüberwachung

Ein großes Thema angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung ist auch ein sicheres, gesundes Leben möglichst in den eigenen vier Wänden. Die Möglichkeiten dafür werden dank des technischen Fortschritts immer besser. Eine Ausgründung aus dem Forschungszentrum Informatik (easierLife) hat ein Hausnotrufsystem aufgebaut, das Sicherheit ohne Knopf generieren soll. »Bei herkömmlichen Systemen tragen nur 13 Prozent den Funksender ganztätig, 27 Prozent tragen ihn gar nicht und nur 17 Prozent aktivieren ihn, wenn sie gestürzt sind«, stellt Annette Hoppe vom Forschungszentrum Informatik (FIZ) fest. »easierLife Home« erfasst sensorbasiert alltägliche Aktivitäten, nimmt eineAuswertung ungewöhnlicher Situationen vor und startet eine individuelle Alarmierung per App oder Notrufzentrale. Durch die automatische Alarmierung bei Auffälligkeiten ist das System auch für Demenzerkrankte geeignet.

Eine intelligente Raumüberwachung strebt auch das Technologieunternehmen Nevisq an, das dafür ein Sensorband in Fußleisten entwickelt hat. Es erkennt Personen, Objekte und Bewegungen in Räumen, bei der Auswertung der Daten hilft künstliche Intelligenz. Die  Fußleisten sind eine kostengünstige Alternative zu bereits verfügbaren Technologien wie Bodensensoren oder am Körper getragene Geräte. Sie erkennen nicht nur Stürze, sondern setzen auch Alarmmeldungen beim Verlassen des Bettes oder des Raumes ab. »Hirn« des Sensorbandes ist ein Minicomputer, der die Sensordaten lokal verarbeitet, die Aktivitäten analysiert und als Schnittstelle zur Lichtrufanlage fungiert.

Compamed 2019

Datum: 18. – 21. Novemeber 2019

Ort: Messegelände Düsseldorf

Web: www.compamed.de

 

(me)