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Neuroprothesen: Elektroden im Ohr

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Welche Arten von Hörverlust gibt es?

Eine Schallleitungschwerhörigkeit (konduktiver Hörverlust) liegt dann vor, wenn der Schall wegen eines Problems im Außen- oder Mittelohr nicht an das Innenohr weitergeleitet werden kann. Die Folge ist meist ein leichter bis mittlerer Hörverlust, der häufig nur vorübergehend ist und medikamentös oder operativ behoben werden kann. Bleibt das Hörproblem bestehen, helfen Hörgeräte, Mittelohrimplantate oder Knochenleitungsimplantate.

Ein Schallempfindungs-Schwerhörigkeit (sensori-neuraler Hörverlust oder Innen­ohrschwerhörigkeit) entsteht in der Cochlea im Innenohr. Zu dieser Form der Schwerhörigkeit kommt es, wenn die Haarzellen der Cochlea beschädigt sind oder ganz fehlen. Dadurch tritt in der Regel ein permanenter Hörverlust ein, der sich mit der Zeit verschlechtern kann. Der Grad der Schwerhörigkeit reicht von leichtem über schweren bis zu völligem Hörverlust. Häufig lösen Nebenwirkungen bestimmter Antibiotika die Schallempfindungs-Schwerhörigkeit aus. Weitere mögliche Ursachen sind Infektionskrankheiten wie Meningitis (Gehirnhautentzündung), angeborene Schwerhörigkeit und Lärm. Behandelt wird die leichte bis mittlere Schallempfindungs-Schwerhörigkeit mit Hörgeräten oder Mittelohrimplantaten, für Personen mit schwerem, hochgradigem oder völligem Hörverlust ist eine Cochlea-Implantation oft eine wirksame Lösung.

Partieller Hörverlust liegt dann vor, wenn die Schallempfindungs-Schwerhörigkeit nur im Hochtonbereich auftritt. Beim partiellen Hörverlust sind die Haarzellen an der Basis der Cochlea beschädigt. Diese Haarzellen ermöglichen das Wahrnehmen von hohen Tonen. Nicht betroffen sind dagegen die Haarzellen im Apex, dem innersten Bereich der Cochlea, die für das Hören von tiefen Tonen zuständig sind. Speziell für Personen mit partiellem Hörverlust wurde die kombinierte »Elektrisch Akustische Stimulation« (EAS) entwickelt, bei der das Gehör sowohl elektronisch, wie bei einem Implantat, als auch akustisch, wie bei einem Hörgerät, stimuliert wird.

Der kombinierte Hörverlust tritt dann auf, wenn Schallleitungs- und Schallempfindungs-Schwerhörigkeit zusammen vorliegen. Besserung bringen oft Medikamente, eine Operation, Hörgeräte, Mittelohrimplantate oder Knochenleitungsimplantate.

Die Ursache für einen neuralen Hörverlust ist ein fehlender oder geschädigter Hörnerv. Zu diesem Schaden kommt es beispielsweise durch bestimmte Tumore. Der neurale Hörverlust ist hochgradig und permanent; Hörgeräte oder Cochlea-Implantate bringen keine Besserung, da der Hörnerv die Schallinformationen nicht an das Gehirn weiterleiten kann. In manchen Fällen ist das Einsetzen eines Hirnstamm-Implantats hilfreich (Auditory Brainstem Implant, ABI).

Beim einseitgen Ohrverlust fällt nur ein Ohr aus, das andere hört normal oder annähernd normal. Einseitiger Hörverlust macht es schwer, die Richtung zu erkennen, aus der ein Geräusch kommt. Auch Gespräche in lautem Umfeld sind eine große Herausforderung. Das Hören mit nur einem Ohr ist sehr ermüdend, was sich wiederum negativ auf den Erfolg in der Schule, beim Studium oder in der Arbeit auswirken kann. Passende Implantatlösungen für den einseitigen Hörverlust sind Cochlea- oder Knochenleitungsimplantate.