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Start-up des Monats: ichó: Smarte Kugel gegen das Vergessen

Junge Gründer, große Ideen – Start-ups sind auch für die Medizin zu wichtigen Innovatoren geworden. Wir möchten einige dieser Köpfe genauer vorstellen. Dieses Mal: »ichó«. Das Unternehmen aus Duisburg hat einen Therapieball für Demenzpatienten entwickelt.

Gründerteam von ichó (v.l.n.r.): Mario Kascholke, Steffen Preuß und Eleftherios Efthimiadis. Bildquelle: © ichó

Gründerteam von ichó (v.l.n.r.): Mario Kascholke, Steffen Preuß und Eleftherios Efthimiadis.

Wie lautet euer Elevator Pitch?

Ichó ist der interaktive Ball zur Aktivierung und Förderung von Menschen mit Demenz. Durch modernste Sensorik erfasst er alle äußeren Einflüsse, also ob er geworfen, gefangen, gerollt, gestreichelt oder wie er gehalten wird. Hierauf reagiert ichó mit farbigem Leuchten, ­Vibration, Klang und Musik – ganz individuell auf die Bedürfnisse und den biographischen Hintergrund des Nutzers. Hierdurch erreichen wir eine sehr viel höhere Ansprache des Nutzers und fördern gleichzeitig kommunikative Prozesse, das Gedächtnis, die Motorik und stimulieren multisensual. Mit Hilfe der gesammelten Daten kann der Ball zukünftig die Diagnostik unterstützen, da Tremrore, Reaktionszeiten, Bewegungsaufbläufe und der motorische Umfang erfasst und dokumentiert werden können.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Die Idee entstand im Rahmen eines Forschungsprojektes der Hochschule Düsseldorf. Da wir Gründer durch die Erkrankung unserer Großeltern persönlich mit dem Thema Demenz betroffen sind, wollten wir unbedingt aktiv werden. So entstanden erste Experimente zu einem Ball, der ein interaktives Feedback gibt und die Lieblingsmusik unserer Großeltern abspielt. Heute erarbeiten wir immer neue Anwendungen und ganze Trainingskonzepte mit Therapeuten, Pflegefachkräften, Ärzten und Wissenschaftlern für ichó.

Was war euer größter Erfolg?

National definitiv der 1. Platz beim ­»Wittener Preis für Gesundheitsvisionäre«, da die Universität Witten-Herdecke mit Schwerpunkt Pflegewissenschaften und Demenz sehr gute Arbeit leistet. International wurden wir 2018 als eines der innovativsten Start-ups in ganz Europa, beim EU-Wettbewerb »Ideas from ­Europe« ausgezeichnet. Hierfür wurden wir vom BMWi nominiert, um Deutschland im Wettbewerb zu vertreten und traten gegen die Finalisten der anderen Länder an.

Und der größte Rückschlag?

Als Start-up ist man immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die sehr plötzlich auftreten können. Als Rückschlag würden wir aber keine dieser vergangenen Herausforderungen bezeichnen, da wir an jeder Situation wachsen konnten. Letztendlich fällt alles immer auf das Team zurück, worauf wir stolz sind.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Ichó wird mittlerweile nicht nur für Menschen mit Demenz entwickelt, sondern zur Unterstützung bei allen kognitiven Erkrankungen. Wir möchten langfristig Anwendungen und Förderprogramme bei lern- und geistiger Behinderung anbieten, für Menschen mit Autismus, Menschen die an Depressionen leiden und auch bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Chorea Huntington. Als Weiterentwicklung arbeiten wir bereits an einem Ball, der als Medizinprodukt zugelassen wird und so als Diagnostikum verwendet werden kann, was eine spannende Erweiterung für den Bereich Telemedizin darstellt.

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?

Die Medizin der Zukunft wird natürlich zunehmend digitaler. Gerade die Telemedizin hat ein hohes Potenzial, um vor allem ländliche Gebiete besser ärztlich zu versorgen. Dies würde auch eine große Entlastung in der Pflege darstellen, da zeitaufwendige und anstrengende Arztbesuche reduziert werden könnten. Auch werden Dokumentationssysteme besser und arbeiten immer stärker automatisiert, was eine zusätzliche Entlastung darstellt. Der spannendste Aspekt wird aber der Umgang mit den persönlichen Daten sein. Einhergehend mit einem guten Datenschutz kann die Auswertung der persönlichen Daten, zum Beispiel durch Wearables, eine bessere individuelle Einstellung von Medizin und Therapie darstellen.

Fakten zum Start-up:
Anzahl der Kunden: über 500 Kaufanfragen
Gründung: 2018
Mitarbeiter: 6
Finanzierung: Seed-Finanzierung abgeschlossen

ichó systems gmbh
icho-systems.de

Zuerst gesehen
Dieser Beitrag stammt aus der Medizin+elektronik Nr. 1/2019 vom 04.02.2019. Hier geht’s zur vollständigen Ausgabe.

 

© ichó Bildquelle: © © ichó

Runde Sache: ichó reagiert auf äußere Einflüsse wie Druck, Annäherung, Streicheln, Fangen.