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Start-up des Monats: Mecuris: Keine Prothesen von der Stange

Junge Gründer, große Ideen – Start-ups sind auch für die Medizin zu wichtigen Innovatoren geworden. Wir möchten einige dieser Köpfe genauer vorstellen. Dieses Mal: »Mecuris«. Das Unternehmen aus München will die Digitalisierung der Orthopädietechnik vorantreiben.

Das Start-up ermöglicht es Orthopädietechnikern und Ärzten, individuell auf den Patienten ausgerichtete orthopädische Hilfsmittel digital zu designen und per 3D-Druck herzustellen. Bildquelle: © Mecuris

Das Start-up ermöglicht es Orthopädietechnikern und Ärzten, individuell auf den Patienten ausgerichtete orthopädische Hilfsmittel digital zu designen und per 3D-Druck herzustellen.

Wie lautet euer Elevator Pitch?

Wir befähigen die Orthopädietechnik, die Lebensqualität von Menschen weiter zu verbessern. Dazu verknüpfen wir in unserer digitalen Werkstatt 3D-Technologien, maschinelles Lernen und 3D-Druck, um Orthesen und Prothesen für Menschen weltweit maßzuschneidern. Unser Ziel ist es, den Orthopädietechniker bei seinen Arbeiten bestmöglich zu unterstützen und dadurch das Leben der Träger von orthopädischen Hilfsmitteln durch eine individuelle Versorgung zu bereichern. Erstmals haben Träger die Möglichkeit, aktiv in den Gestaltungsprozess ihres orthopädischen Hilfsmittels eingebunden zu werden und den »Look« mitzubestimmen. So wird die Orthese oder Prothese zum Ausdruck der jeweiligen Persönlichkeit; die Akzeptanz und die Kundenbindung zwischen Orthopädietechniker und Kunde steigt nachhaltig.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Wir sind aus zwei unterschiedlichen Forschungsprojekten hervorgegangen: Simon, Unfallchirurg an der Münchner Uniklinik, hatte Probleme, passende Orthesen für Patienten zu finden und experimentierte mit 3D-Druck. Jannis hatte am Fraunhofer Institut in Stuttgart bereits 2007 die weltweit erste 3D-gedruckte Oberschenkelprothese hergestellt. Mecuris kombiniert diese digitale Technologien für die Orthopädietechnik auf einer webbasierten Versorgungsplattform.

Was war euer größter Erfolg?

Wir können als einzige Firma weltweit individuelle Prothesenfüße in jeder Größe drucken, bis hin für die kleinsten Kinder. Für diese gibt es bisher nur Holzfüße, wie im 19. Jahrhundert. Damit haben wir eine Lücke im Versorgungssystem geschlossen. Ebenfalls einzigartig: Unsere 3D-gedruckten Prothesen haben eine medizinische Zulassung (CE).

Und der größte Rückschlag?

Wir haben lernen müssen, dass komplexe Projekte schnell doppelt so lange brauchen, als wir ursprünglich geplant hatten. Allerdings haben sich dadurch – gerade durch die rasende Entwicklung digitaler Lösungen – auch neue Möglichkeiten eröffnet, die bei der Gründung noch nicht denkbar waren. Daher stehen wir jetzt sicherlich an einem anderen Punkt, als wir vor zwei Jahren dachten. Wichtig ist uns immer, dass wir aus Rückschlägen lernen und schlauer und stärker daraus hervorgehen.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Wir werden eine Schlüsselposition im Bereich digital hergestellter Orthesen und Prothesen einnehmen – weltweit. Über unsere Mecuris Solution Platform gestalten Fachkräfte maßgeschneiderte Produkte und schaffen so mehr Lebensqualität für ihre Patienten – innerhalb von 24 Stunden. Dafür kooperieren wir eng mit den Orthopädietechnikern und bauen ein globales Partner-, Vertriebs- und Druckzentrum-Netzwerk auf.

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?

Für uns liegt sie in der Individualisierung der Patientenversorgung dank Digitalisierung. Produkte von der Stange werden von maßgeschneiderten Lösungen abgelöst. Dabei geht es nicht darum, den Fachmann zu ersetzen. Ganz im Gegenteil: Die Orthopädietechnik 4.0 wird ihn in seinem Arbeiten noch viel mehr unterstützen, als das Produkte tun, die in China auf Masse produziert werden.

Wir sind überzeugt davon, dass sich immer mehr medizinische Produkte in digitale Prozessketten umwandeln lassen, die individuelle Anpassungen unterstützen. Additive Fertigungsverfahren mit unterschiedlichsten Materialien werden diese in immer neue Felder eindringen lassen. Ebenso sind wir überzeugt davon, dass dieses Vorgehen nicht nur die medizinische Versorgung »um die Ecke« verbessert, sondern weltweit.

Fakten zum Start-up:
Anzahl der Kunden: über 230 registrierte Sanitätshäuser aus über 30 Ländern
Gründung: 2016
Mitarbeiter: 30 Mitarbeiter aus 10 Ländern
Finanzierung: Venture Capital

Mecuris GmbH
mecuris.com/de

 

Zuerst gesehen
Dieser Beitrag stammt aus der Medizin+elektronik Nr. 3 vom 02.05.2019. Hier geht’s zur vollständigen Ausgabe.

 

Mecuris Bildquelle: © Mecuris

Manuel Opitz, Gründer und CEO von Merciris.