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Medical Taiwan 2019: »Technologischer Fortschritt muss auch zum Einsatz kommen«

Das Gesundheitswesen in Taiwan hat viele Facetten, wie die Medical Taiwan in Taipeh vom 27. bis 30. Juni 2019 zeigte. Wir haben die Messe und High-Tech-Krankenhäuser besucht, um Ihnen einen kleinen Einblick in einige der Highlights zu geben, die auch in Europa für Aufsehen sorgen könnten.

Frank Riemenschneider hat sich auf Spurensuche für die Medizin der Zukunft begeben, fündig ist er in Taiwan geworden. Bildquelle: © Weka/F. Riemenschneider

Frank Riemenschneider hat sich auf Spurensuche für die Medizin der Zukunft begeben, fündig ist er in Taiwan geworden.

Von wichtigen Grundlagen bis hin zu hypermoderner Technologie deckt die von dem Taiwan External Trade Development Council (TAITRA) organisierte Medical Taiwan die gesamte Bandbreite der Gesundheitsindustrie der Insel ab. Das Land gilt technologisch als Vorreiter und die Erwartungen waren hoch. Laut dem Bloomberg-Effizeniz-Index steht Taiwans Gesundheitssystem weltweit auf Platz 9, Deutschland steht auf Platz 45 und die USA auf Platz 54 – das nur so nebenbei.

Wistron Medical, ein OEM-Hersteller für Partnerunternehmen, zeigte »BestShape«, eine Big Data-basierte Softwareanwendung für die prädiktive Analyse von Dialysewerten. »Die arterielle Hypotonie ist eine der häufigsten und gefährlichsten Komplikationen bei Dialysepatienten«, erklärte Brian Chong, Vice President von Wistron Medical. »Unser Werkzeug kann solche plötzlichen Ereignisse vorhersagen und so helfen, Leben zu retten.« Die Software sendet HL7-Daten automatisch an das HIS, das Cloud-basierte Patienten-Informationssystem in Taiwan, und vermeidet so die bei der manuellen Transkription so häufigen Fehler.

Gleiches Unternehmen, ganz anderes Produkt: das Exoskelett »Keeogo« für Patienten mit krankheitsbedingter Muskelschwäche, zum Beispiel Multiple Sklerose oder Morbus Bechterew. Keeogo kann auch als Reha-Werkzeug für Patienten verwendet werden, die einen Schlaganfall erlitten oder sich einer Operation unterzogen haben. Die computergestützte Orthese ist mit feinabstimmbaren Motoren ausgestattet, die die Bewegungen verstärken und so alltägliche Aufgaben wie Gehen, Treppensteigen, Hinsetzen und Aufstehen erleichtern.

Produkte, die mit dem Label »Taiwan Excellence« ausgezeichnet sind, wurden auf der Ausstellung prominent präsentiert. Ein mobiles 12-Kanal-EKG von BriteMed ist eine dieser herausragenden Innovationen. »Da es leicht zu transportieren ist, eignet sich unser EKG-Gerät gut für die Erste Hilfe und ermöglicht eine präzise Herzdiagnostik auch in abgelegenen Gebieten«, erklärte Kelly Wang, Senior Marketing Manager bei BriteMed. Das Gerät verfügt über einen Schutzschild, der es vor Schäden durch Defibrillatoren schützt und somit für den Notfall gut geeignet macht.

KI auf der Intensivstation

Während sich viele Experten noch fragen, wie man Blockchain im Gesundheitswesen einsetzen kann, hat das Taipei Medical University Hospital (TMUH) diese Technologie bereits in seine Prozesse integriert. »iWellChain« hilft, elektronische Krankenakten zu erstellen, die alle relevanten Gesundheitsdaten enthalten und verschiedenen Einrichtungen in digitaler Form zur Verfügung stellen. Blockchain wird auch in sogenannten Smart Contracts eingesetzt, unter anderem zur Automatisierung der Rechnungsstellung oder zur Bearbeitung von Versicherungsfällen. Das Krankenhaus ist komplett papierlos und durchdigitalisiert, vom Check-In der Patienten bis hin zur Rechnungsstellung.

Dr. Ray-Jade Chen, Superintendent des Taipei Medical University Hospital (TMUH), präsentierte ein von Künstlicher Intelligenz (KI) unterstütztes Patientenüberwachungssystem für die  Intensivstation. Die wichtigste Rolle im System spielt jedoch nicht die KI, sondern die Patientendaten. »Das System überwacht und bewertet die Vitalparameter unserer Intensiv-Patienten rund um die Uhr«, erklärt Chen. Ärzte und Pflegepersonal können klinische Werte, Bilddaten und Diagnosen in übersichtlichen Charts einsehen und haben so immer aktuelle Informationen über den Status des Patienten. »Diese Technologie hat die Qualität der Intensivpflege deutlich verbessert«, sagt Chen und fügt hinzu, dass »die Reaktionszeiten bei kritischen Ereignissen um mehrere Minuten reduziert wurden und die Zahl der Blutbahninfektionen um mehr als 60 Prozent gesunken ist«.

Die KI-Unterstützung reduziert zudem die Verweildauer auf der Intensivstation und senkt die Kosten für die Behandlung sowie in der Verwaltung. Das System lernt aus den gesammelten Daten und wird unter anderem zur Risikobewertung genutzt, zum Beispiel zur Vorhersage von Bakteriämie (Auftreten von Bakterien im Blut) oder Sepsen (Blutvergiftungen). Letztere ist bei polytraumatisierten Patienten extrem kritisch und in anderen Traumazentren immer noch ein erheblicher Faktor für Todesfälle. Durch die KI-basierte Software, die ein Tochterunternehmen der Klinik entwickelte, wird eine akute Sepsis mit einem Vorlauf von 4 Stunden vorhergesagt, was den Ärzten noch proaktiv die Chance gibt, einzugreifen.