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Trends im Medical Design: Medizingeräte im Apple-Look

Eine aktuelle Trendanalyse zum Design von Medizingeräten nennt die Konsumelektronik und vor allem Apple als Vorbild für die Gestaltung auch von Medizintechnik. Die Farbkontraste werden deutlicher, Schwarz-Weiß ist im Kommen. Und im klinischen Pflege- wie im Homecare-Bereich soll »Ambient Styling« das technisch anmutende Krankenbett wohnlicher machen.

Apple ist weiterhin Vorbild, Schwarz-Weiß wird stärker und das Konsumgüter-design gewinnt an Einfluss: Zu diesem Schluss kommen Alexander Müller und Sebastian Maier, Geschäftsführer der Fürther Designagentur »Corpus-C« in ihrer Trendanalyse »Medical Design 2012«. Weitere, in der Studie genannte Trends: Präzise, geometrische Formen bestehen neben organisch geformten und dadurch besonders freundlich wirkenden Produkten; asiatische Hersteller haben im Design deutlich aufgeholt, und im Bereich Homecare und Pflege sieht man immer öfter Ausstattungselemente im »Ambient Styling«.

Ein Toptrend war bereits 2011 zu beobachten und findet auch 2012 seine Fortsetzung: Immer öfter lehnen sich Gestaltung, Farb- und Materialauswahl von medizinischen Geräten am Design von technischen Konsumgütern wie Handys, Computern oder TV-Geräten an - nach dem einfachen Prinzip, was dort gut ankommt, kann auch im Medizinbereich nicht falsch sein.

Für Alexander Müller und Sebastian Maier eine Entwicklung, die ihre Grenzen hat: »Natürlich können und sollen Einflüsse mitgenommen werden, beim Design von medizinischen Geräten sollte man aber seine Wurzeln nicht vergessen. Die Produkte müssen als Medizingeräte erkennbar bleiben und dürfen ihre Seriosität nicht verlieren.« Denn spätestens wenn zum Beispiel Notfallgeräte wie Defibrillatoren nicht mehr auf einen Blick als solche erkennbar sind, kann es sogar gefährlich werden, schließlich zählt bei Gebrauch jede Sekunde.

Schwarz-Weiß ist Trumpf

Die Farbkontraste werden härter, reinweiße Geräte, die vor einigen Jahren noch der Maßstab waren, verlieren an Einfluss. Zweifarbige Geräte sind inzwischen Standard, doch auch hier gibt es eine neue Entwicklung: Zur Akzentuierung werden nicht Grau oder helle Farben eingesetzt, sondern Schwarz. So wird der höchstmögliche Kontrast erreicht. Dabei sind Abstufungen hin zu dunklen Grau- und Silbertönen möglich.

»Früher galt alles, was nicht weiß war, als nicht sauber, denn Weiß steht für Reinheit. Schwarz war außerdem aus hygienischen Gründen eine Tabufarbe. Doch dieser etablierte Code verliert immer mehr an Bedeutung«, so Sebastian Maier. So entstehen Geräte, die mit Schwarz und Weiß zwei kompromisslose Farben kombinieren und durch den Kontrast klassisch und hochwertig wirken.

Immer wieder Apple

Auch wenn dieser Trend schon einige Jahre anhält, funktioniert er nach wie vor: Weiches Apple-Weiß, große Displays und die Konzentration auf das Wesentliche, wie man es von »iPhone« und »iPad« her kennt, beeinflussen auch das Medical Design - und das dürfte laut den Autoren der Studie auch noch einige Zeit so bleiben. Allerdings durchaus individuell umgesetzt: Das an Apple angelehnte Design wird in Farbe, Form und Material von den Herstellern unterschiedlich interpretiert.

Geometrische Präzision neben organischen Formen

Konträrer könnten zwei Trends nicht sein, und doch finden sich unter den neuesten Produkten der Medizintechnikbranche beide Pole: Geräte mit geometrischen Grundkörpern, präzisen Kanten und klaren Farb- und Formtrennungen sowie weich und organisch gestaltete Produkte, die auf Patienten nicht bedrohlich, sondern freundlich wirken und somit im medizinischen Bereich eine wichtige Funktion erfüllen. Allerdings geht dies auf Kosten der Zeitlosigkeit: Hier haben die präzise gestalteten Geräte mit ihren gebogenen, gewalzten oder gekanteten Flächen einen klaren Vorteil. Zur Gestaltung von Medizinprodukten, die aus Metall oder im Extrusionsverfahren gefertigt werden, eignet sich diese Formensprache hervorragend.

Asien auf dem Vormarsch

»Auffällig sind die vielen gut gestalteten Produkte von asiatischen Herstellern - allerdings ohne besonders aufzufallen«, so bringt es Alexander Müller auf den Punkt. Sprich: Von europäischen oder amerikanischen Produkten lassen sich Entwürfe aus Asien so gut wie nicht unterscheiden. Das Design ist hochwertig, eine besondere asiatische Note ist nicht zu erkennen, neue Details werden mit »Old School«-Elementen gemixt. Ohne weiteres könnten die meisten Produkte auch das Label etablierter Hersteller tragen.

Wohlfühlambiente in der Pflege

Auf die Bereiche Pflege, Homecare und Betreutes Wohnen bleibt der Trend »Ambient Styling« beschränkt. Betten, Schränke und weitere Einrichtungsgegenstände werden aus eloxiertem Aluminium und dunklem Holz gefertigt und verlieren so etwas von ihrem technischen Charakter. Die authentischen Materialien verleihen den Produkten eine hohe Qualität. Noch freundlicher wirken hellere Materialien und Farben. Durch die Anlehnung an das Wohndesign verliert die Einrichtung den Krankenhauscharakter und erinnert eher an Hotelzimmer. »Angesichts der demografischen Entwicklung ist ein spezielles Design für den Bereich Pflege sicher ein zukunftsträchtiges Thema mit Potenzial«, so Alexander Müller.

Widescreen und Touch

Im Bereich der Displays geht der Trend klar weg vom klassischen 4:3-Fernsehformat hin zum 16:9-Widescreen - und zwar selbst bei kleinen Bedieneinheiten. Was technisch möglich ist, wird auch im Medizingerätebereich ausgereizt: Neben dem Breitbildformat gilt das auch für neue Display-Technologien wie Multitouch oder 3D, mit denen die ersten Anbieter bereits auf den Markt gehen. Doch gerade im Bereich 3D gibt es noch einige technische Hürden zu überwinden. Folientastaturen werden immer mehr durch Touchscreens als modernes Eingabesystem ersetzt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Erweiterung der Tastenfelder lässt sich beim Touchscreen über Veränderungen in der Software lösen, außerdem erfordert die Bedienung im Gegensatz zur Folientastatur so gut wie keinen Krafteinsatz.

Licht und Materialien

Bei der Beleuchtungstechnik in der Klinik sorgt die Kombination von RGB-LEDs mit Lichtleitern, die das Licht entweder nur punktuell am Ende des Leiters oder flächig über die gesamte Länge des Leiters abgeben, für besonders auffällige Effekte. So werden Anwendungen wie schwenkbare »Tasklights« oder »Moodlights« denkbar. Immer öfter werden auch Funktionselemente wie Schalter, Regler oder Buchsen gezielt beleuchtet, sodass sie im Klinikalltag leichter und schneller zu sehen sind.

Bei den Materialien bleibt der Mix weiter Trend: Kombiniert werden transluzente und opake Materialien, Matt und Glanz, Edelstahl und Kunststoff. Daneben finden sich auch Produkte mit Segmenten in Perlmuttanmutung. Die komplette Trendstudie 2012 kann per E-Mail bei Corpus-C angefordert werden: kontakt@corpus-c.de. Im Weblog unter der nachstehenden URL können Besucher außerdem ihre Einschätzung zu den kommenden Trends abgeben.

Die »Corpus-C Design Agentur« mit Sitz im «Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg« (EMN) wurde 2007 gegründet und hat sich auf strategisches Produktdesign in den Bereichen Medizintechnik, Pharma und Labor spezialisiert. Der Unternehmensname leitet sich vom lateinischen Begriff »Corpus Callosum« ab. Diese zentrale Verbindung der beiden Gehirnhälften ist für den Informationsaustausch und die Kreativität verantwortlich. Regelmäßig sind die Arbeiten des achtköpfigen Teams der Agentur auf den Shortlists renommierter Designpreise zu finden.